21 Sep 2011
Das Fest der Nossa Senhora
Immer noch Madeira. Aber niemals langweilig!
Eigentlich hatten wir uns in der Marina schon verabschiedet, die Rechnung bezahlt und uns ins Gästebuch eingetragen, als die netten Mädels im Hafenbüro uns auf das Fest der „Nossa Senhora da Piedade“ aufmerksam machen. Und da uns die Wellen eh nicht gefallen, die uns auf der Überfahrt zu den Kanaren mit 2-3 Metern Höhe direkt von der Seite treffen würden, haben wir uns dieser kirchlichen Prozession angeschlossen. Kirchliche Feste haben hier ihre eigenen Regeln: Kernpunkt ist zwar schon die Überführung einer Heiligenfigur von einer Kirche zur anderen, das wichtigere Aussenrum ist aber einfach nur eine große Party. Das ganz besondere an dieser Prozession aber ist der Weg. Hier wird nicht nur in einer langen Schlange hintereinander hermarschiert, sondern wir fahren mit großen Fischerbooten! Vom Nachbarort Caniçal geht´s los, dort kann man sich eines der vielen geschmückten, großen Schiffe aussuchen, auf dem man mitfahren will. An den Fischgeruch, den hauptsächlich Thunfische auf den großen Decks hinterlassen, gewöhnen wir uns schnell, zumal auch Semmeln mit getrocknetem Thunfisch und reichlich Bier verteilt werden. 17 große Thunfischtrawler, jeder übervoll besetzt, machen sich auf den Weg zu der kleinen Kapelle oberhalb unseres Hafens, begleitet von unzähligen kleineren Motorbooten. Ein ziemliches Erlebnis! Während das „Hauptschiff“ am Steg anlegt, um Pfarrer und Musiker zur Kapelle auf dem Berg hinaufsteigen zu lassen, fahren wir und alle anderen zum Ende der Insel – zum Badestopp, Ratschen, Biertrinken und was man sonst noch so alles tun kann. Wir lernen einige nette Segler aus England und Belgien kennen, die auch im gleichen Hafen wie wir liegen. Als die Madonna dann an Bord ist, geht die Prozession wieder zurück nach Caniçal. Der ganze Ort ist geschmückt, überall stehen Stände und jeder tritt jedem auf die Füße. Die einzigen, die an diesem Tag richtig verdienen, sind die Taxifahrer, denn es geht kein Bus mehr zu unserem Hafen. 9 Euro für diese kurze Strecke, die mangels Seitenstreifen nachts nicht begehbar ist, sind schon heftig. Dafür war die Schifffahrt samt Verpflegung kostenlos! Am nächsten Tag schauen wir uns das Spektakel (in umgekehrter Reihenfolge) von der kleinen Kapelle aus an, denn die Madonna muss natürlich auch wieder zurückgebracht werden…. Fast jeder Ort hat hier seine eigene Prozession, die Madeirenser wissen, wie man feiert!
Für morgen ist die Abfahrt geplant, das Wetter und die Wellen passen. Doch dann: unsere Toilette funktioniert nicht mehr richtig. Mist. Florian pumpt und pumpt, aber es kommt kein Spülwasser mehr. An eine Überfahrt ist so natürlich nicht zu denken, zwei Tage ohne Kloo…. Also Pumpe aufgeschraubt und alles saubergemacht. Details erspare ich Euch lieber. Aber alles gutgegangen und wieder was dazugelernt! Nun, da alles wieder funktioniert, starten wir probehalber den Motor und stellen mit Schrecken fest, dass eine Schraube beim Impeller, der für das Kühlwasser zuständig ist, abgerissen ist. Oh Mann, und letztens hab ich noch gesagt, dass jetzt schon lange nichts mehr passiert ist! Dabei habe ich 3x auf Holz geklopft – war aber scheinbar die falsche Holzsorte!? Nun ja, zum Glück war grad ein Mechaniker am Hafen, der uns schnell weiterhelfen konnte.
Durch diese ganzen Schlamassel haben wir einen Tag „verloren“ und stehen jetzt vor der Entscheidung, ob wir morgen trotz wenig Wind lossegeln oder doch noch hierbleiben sollen. Florian lacht schon, weil ich so griesgrämig schaue bei dem Gedanken, noch eine Weile auf dieser wunderschönen Insel bleiben zu „müssen“. Eigentlich wirklich kein Grund, die gute Laune zu verlieren!
Kurz vor „Redaktionsschluss“ haben wir noch einen Blick auf die Wettervorhersage geworfen. Die Aussichten auf Wind haben sich nochmal verschlechtert. Na dann bleiben wir halt einfach noch hier….
Anschließend noch ein paar Eindrücke der Insel und natürlich die Prozession 😉