16 Okt 2011

Das schwarze Loch

Geschrieben von florian

Die Zeit scheint hier eingesaugt zu werden wie in ein schwarzes Loch, so dass es letztlich keine Zeit mehr gibt. Ein Tag vergeht wie der andere. Und doch gibt es in den fast 8 Wochen, die wir auf Madeira verbringen, immer wieder Ereignisse, die Kontur geben. Wir fahren unzählige Male zum Flughafen, um das vorher günstig gebuchte Leihauto für 1,2 oder 3 Tage entgegenzunehmen, machen Ausflüge, um an Levadas entlangzuwandern und um in Funchal eine Bica oder Chinesa samt Süddeutscher Zeitung zu genießen. Keine Angst – wir sind nicht unter die Kannibalen gegangen: Die Bica ist ein Espresso, der diesen Namen auch verdient hätte und die Chinesa ist ein Cappuccino und genauso lecker.

Drei Ereignisse also haben den letzten Wochen Kontur gegeben:

Wir haben am Ende der wunderschönen Levada, die sich von Machico nach Marroços zieht, den alten José Rodrigues tot in der Levada gefunden. Er war, wie wir später von der Polizei erfuhren, wohl beim Brotzeit machen 101-jährig rückwärts von den Stufen in die Levada gestürzt. Die Beine in blauen Arbeitshosen und Gummistiefeln schauten dabei pfeilgerade schon zum Lieben Gott. Wir haben am nächsten Tag gleich eine Kerze für ihn angezündet.

Dann gab es noch die Mini-Transat: 80 mutige Männer und Frauen, die auf nur 6,5 m  langen aber schnellen Segelbooten mit Zwischenstopp auf Madeira von La Rochelle in der Biskaya bis Salvador de Bahia in Brasilien segeln. Und das alleine! Nach etwas über 8 Tagen auf See erreichten die ersten am 4. Oktober Madeira. Auf dem dritten Platz der Deutsche Jörg Riechers. Starker Wind pustet sie geradezu in die Funchal-Bucht. Fassungslos sahen wir dann auch, wie der Deutsche beim Herunternehmen der Segel die Kontrolle über das Schiff verliert und mit dem Bug an den Wellenbrecher schlägt. Da diese Boote über keinen eigenen Motor verfügen, werden sie nach dem Hereinkommen von den Marineros in ihren Schlauchbooten an den Steg geschleppt. Überglücklich steigen die ersten 3 an Land, werden mit Champagner begrüßt, müssen Interviews für Fernsehen und Zeitung geben und können endlich ihren Lieben in die Arme fallen. Wir fühlen mit! Schließlich haben wir ihnen am 13. Oktober nachgewunken, als sie sich wieder in ihren Nussschalen auf den Weg nach Brasilien machten.

An unserem Steg gibt es einen Fischer, der fast jeden Tag mit seinem kleinen Schlauchboot hinausfährt, um mit der Harpune gezielt köstliche Fische zu jagen. Weil ich ihm einmal beim Anlegen helfe, schenkt er uns kurz darauf 2 wunderschöne Papageienfische. Sie leuchten rot und gelb und sind eigentlich zu schön für die Pfanne – aber sie schmecken dennoch köstlich!

Die Wetteraussichten für das Weiterkommen sind wieder einmal gut. Doch am Tag der geplanten Abfahrt ereilt den Skipper Halsweg und Schwindel, so dass daraus wieder nichts wird.

Euch allen, die es auch nötig haben, wünschen wir eine gute Besserung und genießt den schönen Herbst!

  • Logbuch-Suche

    oder
  • Logbuch-Archiv