24 Nov 2011

Der harte Weg nach Lanzarote

Geschrieben von florian

Wir machen schnelle Fahrt, in der Spitze misst unser Plotter sagenhafte 9,7 Knoten, das ist Formel1 für die OOROS. So stehen nach dem ersten Tag 5,7 Knoten Durchschnitt auf der Logge. Wenn das so weitergeht, schaffen wir die 273 Seemeilen (NM) in weniger als 2 Tagen.

Aber da haben wir uns verrechnet. Schon am Vormittag des nächsten Tages musste dann der Jockel ran und der tuckerte dann bis ca. Sonnenuntergang um 18 Uhr und immer wieder kommen dunkle Wolkenbänke von hinten langsam auf uns zu. Ist die schwarze Wolkendecke dann über uns, kommt kräftiger Wind, als hätte einer den Schalter umgelegt. Um die Gemütlichkeit noch zu steigern, gibt´s gleich darauf Starkregen.

Auch nächsten Tag wieder muss uns der Motor voranbringen. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt und sinkt. Es ist klar: wir werden erst nachts ankommen. Das ist spannend, weil man nichts sieht außern Lichtern und hat man die Einfahrt der Marina hinter sich, hofft man, dass am Rezeptionssteg noch Platz ist – das alles übermüdet, frierend und auch nass, wenn´s blöd läuft. Doch soweit sind wir noch nicht, erst läuft es noch so: Mittags am 2. Tag kommen 58 NM vor Ankunft so heftige Böen, dass ich das Schiff nur mit Mühe auf Kurs halten kann. Meine ganze Kraft setze ich an der Pinne ein, denn die Selbststeuerung, die ausgesprochen tapfer und stoisch Stunde um Stunde ihren unentgeltlichen Dienst versieht, heißt jetzt Johann und ist sehr zu Diensten. Doch schräge Brecher im Verbund mit Böen mag er nicht.

Eva ruft über Funk nach anderen Schiffen, um Wetterinformationen zu bekommen. Wir wollen wissen, wie lange der Zauber noch weitergeht. Radio Arrecife, die offizielle Funkstation für den Seeverkehr, meldet sich. Sie sagen, NE 44, angenehme See. Uff uff, würden die Appachen rufen, 44 Knoten ist Sturm aus Nordost und dazu angenehme See!? Da stimmt was nicht! Wir sind verunsichert, unser Wettermelder (Navtex) hat uns nur einen verstümmelten Wetterbericht zugesandt. Also bitte ich Eva, nochmal Radio Arrecife anzurufen, ob Sturm kommt. Nein, es stellt sich heraus, NO 4 Beaufort waren gemeint. Also Entwarnung!

Bald wird es wieder blau und der Jockel muss wieder ran und wummert uns die Ohren voll. Stunde um Stunde, bis nachts der Wind stärker wird und schon querab an backbord die Lichter von Lanzarote funkeln. Endspurt, die letzten Stunden segeln wir mit tollem Wind, Großsegel und Fock sind gerefft, wir steuern den Süden der Insel an und es ist uns klar, dass uns am Kap starker Wind erwartet. Es ist wie an einem Bergbach, wo sich an einem Felsen das Wasser staut, um dann umso schneller daran vorbeizurauschen. Doch was dann passiert, das hatten wir nicht erwartet und auch nicht gesehen. Denn die schwarze Wolkenbank, die inzwischen über uns steht, war nachts nicht auszumachen. Das Chaos bricht los mit der Gewalt der Faust eines Schwergewichtsboxers an das Kinn des Gegners. Bumm – schlägt krachend der Wind in die Segel. Das Schiff krängt stark, Johann hat beleidigt den Dienst quittiert. Man könnte sich jetzt aus dem Stand übergeben, ohne das Schiff zu besudeln. Ringsrum alles grau, dichte Schauerböen versperren jede Sicht. Nur einige grelle Lampen an der Promenade in der Bucht sind auszumachen. Darauf halten wir zu, denn das Chaos muss irgendwann nachlassen. So können wir jedenfalls nicht in den Hafen reinbrechen, endlich lässt der Spuk nach und es ist kurz vor 2 Uhr morgens am 3. Tag, wir rufen über Funk ohne große Hoffnung um diese Zeit gehört zu werden die Marina an. Eine spanische Stimme meldet sich, kurz darauf weist uns der freundliche Wachmann mit seiner starken Lampe am Rezeptionssteg ein. Wir machen fest, aber können die Ankunft trotzdem noch nicht realisieren.

Von der Mauer her spricht uns einer an: Gut, dass Ihr jetzt im Hafen liegt. Ja, sagen wir, und schildern, was gerade noch draussen los war. Gleich darauf erkenne ich ihn: es ist Werner, den wir vor über einem Jahr in Sada bei La Coruña getroffen haben. Nach einem gemeinsamen Anlegerbier in der  Bar gegenüber überfällt uns doch noch der Hunger und wir machen uns noch eine Gulaschsuppe warm.

Wir verlegen am nächsten Tag auf unseren Platz und beim anschließenden Spaziergang begreifen wir, dass wir Lanzarote endlich erreicht haben. Karges Land ringsum, abgeschliffene Berge ohne Vegetation, doch um die niedrigen weißen Häuser Bougainvilleas, Kakteen und Palmen. Lanzarote wirkt auf unsere überreizten Nerven wie ein Bildschirmschoner. Madeira war mmmmhhhh, Lanzarote ist woahhhhh! Überraschung – ja das gibt´s doch nicht – da liegt die SCHÜSSEL aus Berlin! Der Name wird der dunkelblauen Contestyacht nicht im Ansatz gerecht, für die man schon ein siebenstelliges Sümmchen anlegen müsste. Gleich darauf sprechen wir mit dem Eigner, ihn und seine Frau haben wir ziemlich am Anfang in Holland kennengelernt. Sie haben uns damals sehr geholfen ohne es zu wissen.Wir glaubten sie längst in der Karibik, und da auch Werner schon seit einem Jahr hier ist, ist uns klar: Lanzarote hat etwas sehr fesselndes – wir werden sehen…..

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