3 Mrz 2012
Fasching auf den Kanaren
Karneval, hier Carnaval gennant, wird sowohl in Gran Canaria als auch in Teneriffa groß gefeiert. Manche behaupten sogar, der Karneval in Santa Cruz sei der zweitgrößte nach Rio! Ideal also für uns Faschingsmuffel… Was die Dauer betrifft, ist es hier auf alle Fälle eine Besonderheit. Denn am Aschermittwoch ist das Feiern nicht etwa zu Ende, sondern in einigen Ortschaften beginnt es erst richtig. Auf Teneriffa wird der Fasching mancherorts erst am 12. März mit der „Beerdigung der Sardine“ wirklich beendet. Es gibt auch kein Prinzenpaar wie gewohnt, sondern „nur“ die Reina de Carnaval, die Faschingskönigin also. Die ist dafür umso mehr herausgeputzt und große Firmen und Einkaufszentren überbieten sich gegenseitig im Einfallsreichtum, damit ihre Kandidatin die Reina wird. Es gibt sogar eine Ausstellung mit Modellen der letztjährigen Siegerinnen. So kann man verfolgen, wie sich im Laufe der Jahre die Ausstattung verändert hat. Waren vor ca. 15 Jahren noch die Kostüme wichtig, die die Damen trugen, so ist es heute vielmehr das üppige Außenrum, das auf Rollen im Dreiviertelkreis um die spärlich bekleideten Damen das Augenmerk auf sich zieht. Auch der Faschingszug ist mit unserem nicht vergleichbar. Obwohl wir echte Faschingsmuffel sind, wollten wir uns dieses Ereignis nicht entgehen lassen. Der Umzug war für 17.00 h angesagt. Um kurz vor 6 kamen dann die ersten Wägen mit der Reina, der Drag-Queen und sonstigen prämierten Damen. Dann erstmal Pause – sieht man von den vielen Maskierten ab, die die Straße bevölkerten und entlangflanierten. Immer noch Pause. Dann – endlich – in der Ferne der erste Wagen. Sven hatte erzählt, dass er 100 Wägen gesehen hatte, die am frühen Nachmittag Aufstellung genommen hatten. Das konnte ja heiter werden! In unserem jugendlichen Leichtsinn hatten wir für 21.00 h einen Tisch bestellt, da wir der Ansicht waren, dass der Umzug bis dahin bestimmt schon vorbei sein würde. Pustekuchen – um kurz vor 9 waren wir bei Wagen Nr. 18! Nach dem Essen, so um halb 11, kam dann Wagen Nr. 43 vorbei. Kein Wunder, denn nach jedem Wagen war die Strasse wieder voller Jecken und so dauerte es im Schnitt von Wagen zu Wagen 5 Minuten. Sven und Lisa, die wacker bis zum Schluss durchgehalten haben, erzählten uns dann, dass es 101 Wägen waren und sie um kurz vor 2 Uhr nachts wieder zurück auf dem Schiff waren. Hier auf Teneriffa haben wir noch die eine oder andere Veranstaltung besucht, die auf verschiedenen Plätzen stattfanden. Aber jetzt ist auch genug!
Eine nette kleine Episode muss ich Euch noch erzählen, bevor es nach Teneriffa geht: Wir machten mit dem Leihwagen einen Ausflug an die Westküste der Insel nach Puerto de San Nicolas. Dort staunten wir nicht schlecht, als wir in der kleinen Bucht ein österreichisches Segelschiff sahen, das dort ankerte (sonst sind hier nur kleine Fischerboote). Im ansonsten leeren Lokal saß eine Gruppe von etwa 12 Österreichern und am Nebentisch ein Paar aus Österreich. Da ich selbt österreichische Wurzeln haben, konnte ich dieser Häufung einfach nicht widerstehen und habe das Paar am Nachbartisch angesprochen. Auf meine Bemerkung, dass man hier selten österreichische Yachten sieht, kam ein „ha, ha, ha, und Euer Schiff liegt gleich im nächsten Hafen, was?“ zurück. Meine Antwort „nein, es liegt im Hafen von Las Palmas“ ließ erst mal die Unterkiefer nach unten klappen und ein „na wirkli?“ heraus. Wir haben uns dann eine ganze Zeit lang sehr nett unterhalten. An dieser Stelle ganz herzliche Grüße an die österreichische Verwandtschaft und herzlichen Glückwunsch zum Nachwuchs!
Unsere Abfahrt aus Gran Canaria wurde wieder einmal durch ein technisches Problem verzögert – aber daran haben wir uns so langsam gewöhnt. Am Tag vor dem geplanten Start testete Florian den Motor und stellte fest, dass der Öldruck laut Anzeige ungewöhnlich hoch ist. Oh Mann. Wir baten Sven und Lisa um Rat und testeten eine ganze Zeit die Kontakte und Kabel. Irgendwo da muss ein Defekt sein, am Öldruck kann es nicht liegen. Das wurde uns auch von Harry aus der Heimat bestätigt. Tja, die Anzeige funktioniert immer noch nicht, das werden wir in einem der nächsten Häfen reparieren. Aber wir haben ja immerhin noch ein Kontrolllämpchen und einen Pfeifton. Also alles halb so schlimm….
Teneriffa ist unheimlich abwechslungsreich. Der Teide, Spaniens höchster Berg, ist faszienierend. Ein Vulkankegel, zu dessen Füßen die Landschaft wie vom Mond entliehen wirkt. Schwarze Lavazungen vom letzten Ausbruch vor ca. 100 Jahren ergießen sich über die karge Landschaft, bizarr geformte Felsen liegen überall herum. Aber seht selbst auf den Fotos!