3 Sep 2011
Madeira
Porto Santo ist eine kleine Insel. Klein meint hier 11 km lang und beschauliche 6 km breit. Es gibt nur einen Ort, der allenfalls ein Städtchen genannt werden könnte. Trotzdem geht es gerade in der Hochsaison recht lebhaft zu, zu dieser Zeit werden aus 5.000 ständigen Einwohnern bis zu 20.000, die oft auch nur für einen Tagesausflug mit der Fähre von Madeira herüberkommen, den traumhaften Strand zu genießen, dem man eine heilsame Wirkung zuschreibt. Uns hat er auch gutgetan! So verging kaum ein Tag der Woche, an dem wir nicht wenigstens abends ein Bad nahmen. Doch eine Sache gab es nach Inselrundfahrt und Folkloretanz noch zu tun: Vor ca. 10 Jahren wurde die MS Madeirense vor der Küste versenkt. Sie war zuvor Fracht- und Passagierschiff im Linienverkehr zwischen Porto Santo und Madeira. Jetzt fühlen sich hier zahlreiche kleine und große Fische heimisch. Grund für uns, in einer kleinen Gruppe hinauszufahren und abzutauchen. Wracktauchen gehört für mich mit zu den spannendsten Dingen. Im glasklaren Wasser wird die Madeirense unter uns immer größer. Wir gleiten hinab auf bis zu 34 Meter und es ist alles ganz klar zu erkennen: Ruder, Propeller, aber auch die Decksaufbauten. Und in jedem neuen Gefilde gibt es einen Boss, der persönlich begrüßt werden will. Hier ist ein ca. 1,2 m langer Zackenbarsch. Seine beachtliche Figur und die großen Glubschaugen täuschen im ersten Moment darüber hinweg, dass er ein ganz lieber Geselle ist, der zum Streicheln ganz nahe kommt und dann sogar ein Stück in unsere Richtung schwimmt, weil er nicht genug davon bekommt. Eva ist im 7. Himmel, sie liebt es ohnehin, mit fast allen Tieren auf Tuchfühlung zu gehen. In den Restaurants werden seine Vettern dann tatsächlich als Wrackfisch angeboten, den wir garantiert nicht essen wollen!
Bei Kaiserwetter fahren wir dann die 6-7 Stunden nach Madeira und brachten zum 1. Mal unsere Schleppangel aus. Hier soll man sehr gute Chancen auf einen Fang haben, aber trotz des tollen Gummitintenfisches, den wir an einer 100 Meter-Leine hinter uns herzogen, wollte kein Fisch beißen. Schon weit vor der Marina, in der Nähe von Caniçal, schoss uns der Marinero mit seinem Gummiboot entgegen, um uns einen Platz in der halbleeren Marina zuzuweisen. Schon vorher hatten wir mit Sven und Lisa, unseren schwedischen Freunden von der Randivåg, ausgemacht, uns einen Leihwagen für 8 Tage zu teilen. Schnell hatte Sven seine Wunschliste mit allem, was er auf Madeira sehen wollte, bereit. Von meinen bisherigen Aufenthalten auf Madeira kenne ich selber einige schöne Flecken, die ich gerne wieder sehen wollte. Highlight ist die Wanderung von Madeira´s zweithöchsten Berg auf den höchsten Gipfel, den Pico Ruivo. Während dieser 7-stündigen Wanderung hatten wir alle zu kämpfen. Sie führt über schmale Grade durch mehrere Tunnels und an der senkrechten Wand entlang. Da hätten die Damen doch beinahe gestreikt und tatsächlich 25 Minuten vor dem Pico Ruivo-Berghaus aufgegeben. Doch mit der Ansage, dass hinter der nächsten Biegung 😉 schon der Rastplatz ist, konnten wir die unerschrockenen Seglerinnen dann noch einmal motivieren. Und so erreichten wir glücklich das Ziel. Bizarrer und wilder können wir´s uns gar nicht vorstellen. Wir unternehmen viel und verstehen uns prächtig. Für uns ist es ein Geschenk. Dann feiern wir auch noch Lisa´s Geburtstag mit einem feinen Essen und deftigem schwedischen Schokokuchen zum Dessert.
Wir lassen kaum etwas aus und jeden Tag begreifen wir als etwas besonderes. Doch zieht es uns langsam wieder hinaus, wo es nur noch Wasser zu sehen gibt, aber dafür in allen seinen Farben. Gut 270 Seemeilen liegen vor uns, um vorbeizufahren an den Desertas-Inseln, die von Madeira aus als kompakte große Inseln zu sehen sind. Mit Sondererlaubnis darf hier nur geankert werden. Die Inseln selbst sind unter Naturschutz, was 3 gute Gründe hat: Zum einen wegen einer Population von Mönchsrobben, der einzigen in Portugal, dann wegen der Tarantel, der giftigsten und größten in Europa und schließlich wegen der Seevögel, die hier brüten. So wollen wir nach über 2 Tagen auf See die kleine Insel La Graciosa besuchen, sie liegt unmittelbar nördlich von Lanzarote und gehört zu den kanarischen Inseln. Doch mehr darüber im nächsten Blog.
Lasst Euch nun verzaubern von den Impressionen von Porto Santo und Madeira!