Wieder einmal studieren wir die Wettervorhersagen, denn schon 3 Wochen nachdem Karin, Dieter und Dominik wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind, kommen Mama und Harry zu uns nach La Gomera. Nur dass wir halt noch nicht da sind. Am Karfreitag möchte ich aber auf keinen Fall unterwegs sein, da es hier auf den Kanaren sehr schöne Karfreitagsprozessionen geben soll. Der Gründonnerstag scheint der perfekte Tag zu sein: angenehmer Wind und einigermaßen angenehme Wellen. Na ja, wie schon so oft sollte es nicht ganz so angenehm werden. Aber mit dem letzten Tageslicht erreichen wir dann doch den Hafen von San Sebastián auf La Gomera. Die Prozession am nächsten Tag in der Hauptstadt La Gomeras (mit 4.500 Einwohnern!) ist entsprechend klein, aber sehr würdevoll. Eine Kapelle mit lauter jungen Leuten begleitet die durch den Ort getragenen Figuren, wir sind sehr beeindruckt.
Nur noch eine Woche bis unser Besuch eintrifft. Es wird noch mal klar Schiff gemacht – soviel wie in den letzten Wochen wurde die OOROS schon lange nicht mehr geputzt!
Dann endlich ist es soweit. Fred.Olsen bringt uns mit seinem Highspeed-Trimaran nach Teneriffa und ein Guagua (Bus) zum Flughafen. Das Wiedersehen mit Mama und Harry nach 13 Monaten ist einfach toll!
Die Rückfahrt mit dem Leihwagen und die Überfahrt mit der Fähre vergehen wie im Flug, es gibt ja soviel zu erzählen. Nun können wir den beiden endlich zeigen, wie wir hier leben – und nach mehreren Besuchen auf unserem Schiff empfinden sie es auch gar nicht mehr so beengend. Die beiden wohnen im nahegelegenen Hotel, das wir auch das eine oder andere Mal zu einem ausgiebigen Frühstück besuchen. Wir nutzen die gemeinsame Zeit für viele Ausflüge, Boccia-Spiele am schwarzen Strand oder einfach nur zum Ratschen auf der OOROS oder in einem der vielen Cafés. Es gibt soviel zu entdecken auf der Insel!
Wir begeben uns auch auf Schatzsuche: Gitti und Georg haben mir zum Geburtstag auf La Gomera ein Geschenk versteckt – vor eineinhalb Jahren, als ich anfangs noch euphorisch dachte, zu meinem ersten Geburtstag unterwegs schon auf den Kanaren zu sein. Mit guter Anleitung finden wir das Geschenk in einer Felsspalte, unversehrt und noch gut verpackt. Danke Euch Beiden für die Bücher und die tolle Idee, die Suche hat uns viel Spaß gemacht!
Mit dem Segeln in diesem Revier ist es nicht so einfach, da durch den sog. Düseneffekt zwischen den Inseln oft heftige Böen entstehen. Deshalb entscheiden wir uns für eine Whale-watching-Tour. In Valle Gran Rey gibt es ein altes umgebautes Fischerboot, das uns sehr anspricht. Der Anbieter ist mit der gelben Flagge für sanften Waltourismus ausgezeichnet, was uns sehr entgegenkommt. Mit maximal 10 “Walinteressierten” hat es auch eine schöne Größe und wir sind das einzige Schiff, das zu dieser Zeit unterwegs ist. Also nichts wie raus auf´s offene Meer! Nach einiger Zeit sichten wir Pilotwale – ein phantastisches Erlebnis, wie diese herrlichen Tiere mit einer unglaublichen Ruhe unser Schiff in ihre Mitte nehmen und eine Zeit lang mit uns mitschwimmen. Es ist eine Gruppe mit ca. 20 Tieren, darunter auch einige Jungtiere. Der Rückweg führt uns wieder zurück an die Küste, wo wir das Glück haben, große Tümmler (bekannt aus “Flipper”) bei ihrer Jagd nach Fischen beobachten zu können. Mit von der Partie sind Gelbschnabelsturmtaucher, die in waghalsigen Aktionen ins Wasser stürzen. Wir sind alle 4 sehr beeindruckt.
Ein anderes, sehr besonderes Erlebnis haben wir in Hermigua, einer kleinen Ortschaft mit vielen Bananenplantagen. Hier gibt es auch eine Fabrik, die die Bananen in Kisten verpackt. Wir sind natürlich wieder einmal neugierig und strecken unsere Köpfe durch die offene Tür. Sofort werden wir eingeladen reinzukommen – nur Fotos dürfen wir nicht machen. Die großen Bananenstauden werden an Haken durch die Halle transportiert und dann werden per Hand die Bananenbündel abgeschnitten. Immer wieder reicht uns einer der netten Arbeiter ein paar der gelben Bananen, die zu reif für den Versand sind. Lecker! Zum Abschluss bekommen wir noch ein ganzes Bananenbündel mit 20 gelben Bananen in die Hand gedrückt. Herrlich!
So vergeht die Zeit und wir nutzen jede gemeinsame Minute. Der Abschied nach 2 Wochen, als wir die beiden wieder zum Flughafen bringen, fällt dann auch nicht ganz so schwer. Zumal wir auch beschlossen haben, im Herbst für 2 oder 3 Wochen noch mal nach Bayern zu kommen.
Jetzt sind wir wieder allein – nein, das stimmt so nicht. Wir haben jede Menge netter Schiffsnachbarn und auch Lisa und Sven sind zwischenzeitlich in La Gomera angekommen. Also langweilig wird uns nie!
Liebe Mama und Harry, es war sehr schön mit Euch!
Florian hat diesmal die Fotoauswahl übernommen – eine nicht so leichte Aufgabe, denn wir hatten zusammen fast 1.200 Fotos!