HERZLICH WILLKOMMEN

Das Leben ist wie das Meer mit seinen Höhen und Tiefen, Stürmen und Flauten und der Ankunft im Hafen. Es ist das Einlassen auf das große Element Wasser, aus dem alles entstanden ist.

Unser Hintergrund dabei ist, die sicheren, eingegangenen Wege zu verlassen. Wasserlandschaften, Küsten, Inseln und ihre Bewohner kennenzulernen. Uns jeden Tag auf neue Abenteuer einzulassen. Auf die Zeichen des Wetters und der Umwelt zu achten, um in den Gegebenheiten bestehen zu können und damit Vertrauen zu finden in bereits verlorengeglaubte Fähigkeiten.

Wir würden uns freuen, wenn wir Euch mit dieser Seite trockenen Fusses durchs Wasser mitnehmen können. Viel Spaß beim Stöbern!

Eva & Florian

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12 Dez 2011

Lanzarote und Fuerteventura

Geschrieben von eva

Tausend Eindrücke von zwei ähnlichen und doch sehr verschiedenen Inseln. Lanzarote, dessen kleine weiße Häuser im Kontrast zu den schwarzen Lavazungen stehen, Fuerteventura mit bunten Häusern in hauptsächlich brauner Landschaft.

Doch der Reihe nach. Lanzarote hat sein heutiges Aussehen im Großen und Ganzen einem Künstler zu verdanken: César Manrique, der zu Beginn des Baubooms auf Lanzarote großen Einfluss auf Bauplanung und Baugenehmigungen hatte. Er setzte durch, dass nur weiße, kubisch geformte Häuser gebaut werden durften. Das Ergebnis ist wunderbar. Die letzten Vulkanausbrüche vor ca. 300 Jahren hinterließen schwarze Lavazungen, in die Manrique mit seinen ganz eigenen Kunstwerken Akzente setzte. Doch das alles zu beschreiben ist eh schwierig, deshalb haben wir ja unsere Bilder!

In der Marina Rubicón in Playa Blanca im Süden der Insel haben wir zeitweise eine Mitbewohnerin. Die Katze eines Nachbarschiffes macht es sich zur Gewohnheit, die Schiffe in der Umgebung zu inspizieren und bei Gefallen in Beschlag zu nehmen. OOROS und wir sind scheinbar nach ihrem Geschmack und so verbringt sie einige Stunden bei uns. Ein schönes Gefühl, eine Katze an Bord zu haben, sie strahlt einfach eine ganz besondere Gemütlichkeit aus. Doch trotzdem würden wir einem Tier ein Leben an Bord nicht zumuten. Schweren Herzens verabschieden wir uns also von unserer Teilzeit-Bordkatze wieder, als wir gemeinsam mit der Randivåg zu einem Ankerstopp Richtung Isla de Lobos lossegeln.

Zuvor studieren wir noch die diversen Segelhandbücher. Auf der kleinen Insel zwischen Lanzarote und Fuerteventura gibt es eine hübsche Lagune, die aber zu seicht ist, um mit dem Segelschiff hineinzufahren. Also außerhalb geankert und mit den beiden Dinghis in die Lagune getuckert. Das Wasser des ehemaligen Kraters ist durch den hellen Sand türkisfarben und lädt uns zu einem Bad ein. Dann in einem strammen Marsch auf den einzig verbliebenen Vulkan der Insel, um die herrliche Aussicht zu genießen. Zurück an der Lagune stellen wir mit Entsetzen fest, dass das Wasser inzwischen so weit gesunken ist, dass die Lagune vom herausragenden Kraterrand eingefasst ist, sodass ein Hinausfahren mit den Gummibooten nicht möglich ist. Dabei hatten wir vorgehabt, am Strand zu grillen und wollten nur noch die nötigen Utensilien von unseren Schiffen holen – keine Chance! Also auf zu einem Spaziergang in das einzige “Dorf” mit seinen ca. 15 Einwohnern. Dabei haben wir immer den Wasserstand im Auge. Steigt das Wasser wieder oder fällt es noch? Spätestens bei Sonnenuntergang ist klar: entweder wir packen es jetzt oder es wird wirklich schwierig, im Dunkeln den “Ausgang” zu finden. Die Steine sind zwar noch nicht wieder vom Wasser bedeckt, aber der Wasserstand ist schon nicht mehr ganz so niedrig. Im Dämmerlicht ziehen und tragen wir dann die Gummiboote über die Barriere. Nicht ganz ohne, denn die Steine sind teilweise recht kantig und könnten das Boot aufschlitzen. Gut, dass wir Gummischuhe anhaben, die zumindest unsere Füße schützen! Als Ersatz für´s Grillen werden wir dann von Lisa und Sven zu einem typisch schwedischen Essen eingeladen – mit Glögg, dem schwedischen Glühwein.

Nach einer recht windigen Nacht mit viel Schaukelei lichten wir dann den Anker und nehmen Kurs auf Gran Tarajal auf Fuerteventura. Das ewige Schaukeln tut meinem Magen nicht gut und so werde ich wieder mal, wenn auch nur kurz, seekrank. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich auch das mal in den Griff kriege!

Fuerteventura, das für mich immer nur die Surferinsel war, hat auch einige hübsche Ecken zu bieten, ist aber meines Erachtens mit Lanzarote nicht zu vergleichen, obwohl es die älteste Insel der Kanaren ist. Doch auch hier sagen Bilder mehr als Worte!

 Und hier noch ein weihnachtliches Glühweinrezept: Man nehme Glögg, also schwedischen Glühwein (z.B. von Ikea), erwärme ihn auf ca. 80° und gebe dann in der Tasse nach Belieben gehackte Mandeln und Rosinen dazu. Schwedischer Glühwein ist immer mit Geschmack zu haben (bei Ikea in Spanien diesmal mit Safran) und wird immer mit Mandeln und Rosinen getrunken, die man anschließend aus der Tasse löffelt. Lecker!

24 Nov 2011

Der harte Weg nach Lanzarote

Geschrieben von florian

Wir machen schnelle Fahrt, in der Spitze misst unser Plotter sagenhafte 9,7 Knoten, das ist Formel1 für die OOROS. So stehen nach dem ersten Tag 5,7 Knoten Durchschnitt auf der Logge. Wenn das so weitergeht, schaffen wir die 273 Seemeilen (NM) in weniger als 2 Tagen.

Aber da haben wir uns verrechnet. Schon am Vormittag des nächsten Tages musste dann der Jockel ran und der tuckerte dann bis ca. Sonnenuntergang um 18 Uhr und immer wieder kommen dunkle Wolkenbänke von hinten langsam auf uns zu. Ist die schwarze Wolkendecke dann über uns, kommt kräftiger Wind, als hätte einer den Schalter umgelegt. Um die Gemütlichkeit noch zu steigern, gibt´s gleich darauf Starkregen.

Auch nächsten Tag wieder muss uns der Motor voranbringen. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt und sinkt. Es ist klar: wir werden erst nachts ankommen. Das ist spannend, weil man nichts sieht außern Lichtern und hat man die Einfahrt der Marina hinter sich, hofft man, dass am Rezeptionssteg noch Platz ist – das alles übermüdet, frierend und auch nass, wenn´s blöd läuft. Doch soweit sind wir noch nicht, erst läuft es noch so: Mittags am 2. Tag kommen 58 NM vor Ankunft so heftige Böen, dass ich das Schiff nur mit Mühe auf Kurs halten kann. Meine ganze Kraft setze ich an der Pinne ein, denn die Selbststeuerung, die ausgesprochen tapfer und stoisch Stunde um Stunde ihren unentgeltlichen Dienst versieht, heißt jetzt Johann und ist sehr zu Diensten. Doch schräge Brecher im Verbund mit Böen mag er nicht.

Eva ruft über Funk nach anderen Schiffen, um Wetterinformationen zu bekommen. Wir wollen wissen, wie lange der Zauber noch weitergeht. Radio Arrecife, die offizielle Funkstation für den Seeverkehr, meldet sich. Sie sagen, NE 44, angenehme See. Uff uff, würden die Appachen rufen, 44 Knoten ist Sturm aus Nordost und dazu angenehme See!? Da stimmt was nicht! Wir sind verunsichert, unser Wettermelder (Navtex) hat uns nur einen verstümmelten Wetterbericht zugesandt. Also bitte ich Eva, nochmal Radio Arrecife anzurufen, ob Sturm kommt. Nein, es stellt sich heraus, NO 4 Beaufort waren gemeint. Also Entwarnung!

Bald wird es wieder blau und der Jockel muss wieder ran und wummert uns die Ohren voll. Stunde um Stunde, bis nachts der Wind stärker wird und schon querab an backbord die Lichter von Lanzarote funkeln. Endspurt, die letzten Stunden segeln wir mit tollem Wind, Großsegel und Fock sind gerefft, wir steuern den Süden der Insel an und es ist uns klar, dass uns am Kap starker Wind erwartet. Es ist wie an einem Bergbach, wo sich an einem Felsen das Wasser staut, um dann umso schneller daran vorbeizurauschen. Doch was dann passiert, das hatten wir nicht erwartet und auch nicht gesehen. Denn die schwarze Wolkenbank, die inzwischen über uns steht, war nachts nicht auszumachen. Das Chaos bricht los mit der Gewalt der Faust eines Schwergewichtsboxers an das Kinn des Gegners. Bumm – schlägt krachend der Wind in die Segel. Das Schiff krängt stark, Johann hat beleidigt den Dienst quittiert. Man könnte sich jetzt aus dem Stand übergeben, ohne das Schiff zu besudeln. Ringsrum alles grau, dichte Schauerböen versperren jede Sicht. Nur einige grelle Lampen an der Promenade in der Bucht sind auszumachen. Darauf halten wir zu, denn das Chaos muss irgendwann nachlassen. So können wir jedenfalls nicht in den Hafen reinbrechen, endlich lässt der Spuk nach und es ist kurz vor 2 Uhr morgens am 3. Tag, wir rufen über Funk ohne große Hoffnung um diese Zeit gehört zu werden die Marina an. Eine spanische Stimme meldet sich, kurz darauf weist uns der freundliche Wachmann mit seiner starken Lampe am Rezeptionssteg ein. Wir machen fest, aber können die Ankunft trotzdem noch nicht realisieren.

Von der Mauer her spricht uns einer an: Gut, dass Ihr jetzt im Hafen liegt. Ja, sagen wir, und schildern, was gerade noch draussen los war. Gleich darauf erkenne ich ihn: es ist Werner, den wir vor über einem Jahr in Sada bei La Coruña getroffen haben. Nach einem gemeinsamen Anlegerbier in der  Bar gegenüber überfällt uns doch noch der Hunger und wir machen uns noch eine Gulaschsuppe warm.

Wir verlegen am nächsten Tag auf unseren Platz und beim anschließenden Spaziergang begreifen wir, dass wir Lanzarote endlich erreicht haben. Karges Land ringsum, abgeschliffene Berge ohne Vegetation, doch um die niedrigen weißen Häuser Bougainvilleas, Kakteen und Palmen. Lanzarote wirkt auf unsere überreizten Nerven wie ein Bildschirmschoner. Madeira war mmmmhhhh, Lanzarote ist woahhhhh! Überraschung – ja das gibt´s doch nicht – da liegt die SCHÜSSEL aus Berlin! Der Name wird der dunkelblauen Contestyacht nicht im Ansatz gerecht, für die man schon ein siebenstelliges Sümmchen anlegen müsste. Gleich darauf sprechen wir mit dem Eigner, ihn und seine Frau haben wir ziemlich am Anfang in Holland kennengelernt. Sie haben uns damals sehr geholfen ohne es zu wissen.Wir glaubten sie längst in der Karibik, und da auch Werner schon seit einem Jahr hier ist, ist uns klar: Lanzarote hat etwas sehr fesselndes – wir werden sehen…..

11 Nov 2011

Von Blumen und Türen

Geschrieben von eva

Madeira hält uns mit eisernem Griff fest – und wir lassen uns (noch) gerne festhalten. Jetzt bekommen wir am Rande zu spüren, warum die Biskaya-Überquerung ab Mitte Oktober zum Glücksspiel wird: ein Tief nach dem anderen zieht von den Azoren zum Festland und eben über die Biskaya. Die Ausläufer kommen bis nach Madeira. Zwischendrin immer wieder mal ein paar gute Tage, die wir aus verschiedenen Gründen aber bisher noch nicht für die Überfahrt auf die Kanaren genutzt haben. So auch das Wetterfenster am letzten Wochenende. Florian hat mich zu meinem Geburtstag in ein tolles 5-Sterne-Hotel in Funchal entführt. 4 Tage Luxus, Wellnes, Frühstücksbuffet und – für uns Segler ganz wichtig – eine Badewanne!

Auf der Suche nach Fotomotiven sind wir in der Altstadt von Funchal gelandet. In einer Gasse wurden und werden die Haustüren von verschiedenen jungen Künstlern gestaltet, eine Auswahl davon seht Ihr hier. Dazwischen habe ich ein paar Blumen gestreut, eine kleine Auswahl davon, was hier so alles blüht. Immer wieder entdecken wir neue Blumen – es hat eben viele Vorteile, verschiedene Jahreszeiten auf der Blumeninsel zu verbringen…

Vielen Dank allen, die an mich gedacht haben! Es zeigt mir, dass die Bande noch bestehen 🙂

16 Okt 2011

Das schwarze Loch

Geschrieben von florian

Die Zeit scheint hier eingesaugt zu werden wie in ein schwarzes Loch, so dass es letztlich keine Zeit mehr gibt. Ein Tag vergeht wie der andere. Und doch gibt es in den fast 8 Wochen, die wir auf Madeira verbringen, immer wieder Ereignisse, die Kontur geben. Wir fahren unzählige Male zum Flughafen, um das vorher günstig gebuchte Leihauto für 1,2 oder 3 Tage entgegenzunehmen, machen Ausflüge, um an Levadas entlangzuwandern und um in Funchal eine Bica oder Chinesa samt Süddeutscher Zeitung zu genießen. Keine Angst – wir sind nicht unter die Kannibalen gegangen: Die Bica ist ein Espresso, der diesen Namen auch verdient hätte und die Chinesa ist ein Cappuccino und genauso lecker.

Drei Ereignisse also haben den letzten Wochen Kontur gegeben:

Wir haben am Ende der wunderschönen Levada, die sich von Machico nach Marroços zieht, den alten José Rodrigues tot in der Levada gefunden. Er war, wie wir später von der Polizei erfuhren, wohl beim Brotzeit machen 101-jährig rückwärts von den Stufen in die Levada gestürzt. Die Beine in blauen Arbeitshosen und Gummistiefeln schauten dabei pfeilgerade schon zum Lieben Gott. Wir haben am nächsten Tag gleich eine Kerze für ihn angezündet.

Dann gab es noch die Mini-Transat: 80 mutige Männer und Frauen, die auf nur 6,5 m  langen aber schnellen Segelbooten mit Zwischenstopp auf Madeira von La Rochelle in der Biskaya bis Salvador de Bahia in Brasilien segeln. Und das alleine! Nach etwas über 8 Tagen auf See erreichten die ersten am 4. Oktober Madeira. Auf dem dritten Platz der Deutsche Jörg Riechers. Starker Wind pustet sie geradezu in die Funchal-Bucht. Fassungslos sahen wir dann auch, wie der Deutsche beim Herunternehmen der Segel die Kontrolle über das Schiff verliert und mit dem Bug an den Wellenbrecher schlägt. Da diese Boote über keinen eigenen Motor verfügen, werden sie nach dem Hereinkommen von den Marineros in ihren Schlauchbooten an den Steg geschleppt. Überglücklich steigen die ersten 3 an Land, werden mit Champagner begrüßt, müssen Interviews für Fernsehen und Zeitung geben und können endlich ihren Lieben in die Arme fallen. Wir fühlen mit! Schließlich haben wir ihnen am 13. Oktober nachgewunken, als sie sich wieder in ihren Nussschalen auf den Weg nach Brasilien machten.

An unserem Steg gibt es einen Fischer, der fast jeden Tag mit seinem kleinen Schlauchboot hinausfährt, um mit der Harpune gezielt köstliche Fische zu jagen. Weil ich ihm einmal beim Anlegen helfe, schenkt er uns kurz darauf 2 wunderschöne Papageienfische. Sie leuchten rot und gelb und sind eigentlich zu schön für die Pfanne – aber sie schmecken dennoch köstlich!

Die Wetteraussichten für das Weiterkommen sind wieder einmal gut. Doch am Tag der geplanten Abfahrt ereilt den Skipper Halsweg und Schwindel, so dass daraus wieder nichts wird.

Euch allen, die es auch nötig haben, wünschen wir eine gute Besserung und genießt den schönen Herbst!

21 Sep 2011

Das Fest der Nossa Senhora

Geschrieben von eva

Immer noch Madeira. Aber niemals langweilig!
 
Eigentlich hatten wir uns in der Marina schon verabschiedet, die Rechnung bezahlt und uns ins Gästebuch eingetragen, als die netten Mädels im Hafenbüro uns auf das Fest der „Nossa Senhora da Piedade“ aufmerksam machen. Und da uns die Wellen eh nicht gefallen, die uns auf der Überfahrt zu den Kanaren mit 2-3 Metern Höhe direkt von der Seite treffen würden, haben wir uns dieser kirchlichen Prozession angeschlossen. Kirchliche Feste haben hier ihre eigenen Regeln: Kernpunkt ist zwar schon die Überführung einer Heiligenfigur von einer Kirche zur anderen, das wichtigere Aussenrum ist aber einfach nur eine große Party. Das ganz besondere an dieser Prozession aber ist der Weg. Hier wird nicht nur in einer langen Schlange hintereinander hermarschiert, sondern wir fahren mit großen Fischerbooten! Vom Nachbarort Caniçal geht´s los, dort kann man sich eines der vielen geschmückten, großen Schiffe aussuchen, auf dem man mitfahren will. An den Fischgeruch, den hauptsächlich Thunfische auf den großen Decks hinterlassen, gewöhnen wir uns schnell, zumal auch Semmeln mit getrocknetem Thunfisch und reichlich Bier verteilt werden. 17 große Thunfischtrawler, jeder übervoll besetzt, machen sich auf den Weg zu der kleinen Kapelle oberhalb unseres Hafens, begleitet von unzähligen kleineren Motorbooten. Ein ziemliches Erlebnis! Während das „Hauptschiff“ am Steg anlegt, um Pfarrer und Musiker zur Kapelle auf dem Berg hinaufsteigen zu lassen, fahren wir und alle anderen zum Ende der Insel – zum Badestopp, Ratschen, Biertrinken und was man sonst noch so alles tun kann. Wir lernen einige nette Segler aus England und Belgien kennen, die auch im gleichen Hafen wie wir liegen. Als die Madonna dann an Bord ist, geht die Prozession wieder zurück nach Caniçal. Der ganze Ort ist geschmückt, überall stehen Stände und jeder tritt jedem auf die Füße. Die einzigen, die an diesem Tag richtig verdienen, sind die Taxifahrer, denn es geht kein Bus mehr zu unserem Hafen. 9 Euro für diese kurze Strecke, die mangels Seitenstreifen nachts nicht begehbar ist, sind schon heftig. Dafür war die Schifffahrt samt Verpflegung kostenlos! Am nächsten Tag schauen wir uns das Spektakel (in umgekehrter Reihenfolge) von der kleinen Kapelle aus an, denn die Madonna muss natürlich auch wieder zurückgebracht werden…. Fast jeder Ort hat hier seine eigene Prozession, die Madeirenser wissen, wie man feiert!
 

Für morgen ist die Abfahrt geplant, das Wetter und die Wellen passen. Doch dann: unsere Toilette funktioniert nicht mehr richtig. Mist. Florian pumpt und pumpt, aber es kommt kein Spülwasser mehr. An eine Überfahrt ist so natürlich nicht zu denken, zwei Tage ohne Kloo…. Also Pumpe aufgeschraubt und alles saubergemacht. Details erspare ich Euch lieber. Aber alles gutgegangen und wieder was dazugelernt! Nun, da alles wieder funktioniert, starten wir probehalber den Motor und stellen mit Schrecken fest, dass eine Schraube beim Impeller, der für das Kühlwasser zuständig ist, abgerissen ist. Oh Mann, und letztens hab ich noch gesagt, dass jetzt schon lange nichts mehr passiert ist! Dabei habe ich 3x auf Holz geklopft – war aber scheinbar die falsche Holzsorte!? Nun ja, zum Glück war grad ein Mechaniker am Hafen, der uns schnell weiterhelfen konnte.
 
Durch diese ganzen Schlamassel haben wir einen Tag „verloren“ und stehen jetzt vor der Entscheidung, ob wir morgen trotz wenig Wind lossegeln oder doch noch hierbleiben sollen. Florian lacht schon, weil ich so griesgrämig schaue bei dem Gedanken, noch eine Weile auf dieser wunderschönen Insel bleiben zu „müssen“. Eigentlich wirklich kein Grund, die gute Laune zu verlieren!
 
Kurz vor „Redaktionsschluss“ haben wir noch einen Blick auf die Wettervorhersage geworfen. Die Aussichten auf Wind haben sich nochmal verschlechtert. Na dann bleiben wir halt einfach noch hier….
Anschließend noch ein paar Eindrücke der Insel und natürlich die Prozession 😉

 

3 Sep 2011

Madeira

Geschrieben von florian

Porto Santo ist eine kleine Insel. Klein meint hier 11 km lang und beschauliche 6 km breit. Es gibt nur einen Ort, der allenfalls ein Städtchen genannt werden könnte. Trotzdem geht es gerade in der Hochsaison recht lebhaft zu, zu dieser Zeit werden aus 5.000 ständigen Einwohnern bis zu 20.000, die oft auch nur für einen Tagesausflug mit der Fähre von Madeira herüberkommen, den traumhaften Strand zu genießen, dem man eine heilsame Wirkung zuschreibt. Uns hat er auch gutgetan! So verging kaum ein Tag der Woche, an dem wir nicht wenigstens abends ein Bad nahmen. Doch eine Sache gab es nach Inselrundfahrt und Folkloretanz noch zu tun: Vor ca. 10 Jahren wurde die MS Madeirense vor der Küste versenkt. Sie war zuvor Fracht- und Passagierschiff im Linienverkehr zwischen Porto Santo und Madeira. Jetzt fühlen sich hier zahlreiche kleine und große Fische heimisch. Grund für uns, in einer kleinen Gruppe hinauszufahren und abzutauchen. Wracktauchen gehört für mich mit zu den spannendsten Dingen. Im glasklaren Wasser wird die Madeirense unter uns immer größer. Wir gleiten hinab auf bis zu 34 Meter und es ist alles ganz klar zu erkennen: Ruder, Propeller, aber auch die Decksaufbauten. Und in jedem neuen Gefilde gibt es einen Boss, der persönlich begrüßt werden will. Hier ist ein ca. 1,2 m langer Zackenbarsch. Seine beachtliche Figur und die großen Glubschaugen täuschen im ersten Moment darüber hinweg, dass er ein ganz lieber Geselle ist, der zum Streicheln ganz nahe kommt und dann sogar ein Stück in unsere Richtung schwimmt, weil er nicht genug davon bekommt. Eva ist im 7. Himmel, sie liebt es ohnehin, mit fast allen Tieren auf Tuchfühlung zu gehen. In den Restaurants werden seine Vettern dann tatsächlich als Wrackfisch angeboten, den wir garantiert nicht essen wollen!

Bei Kaiserwetter fahren wir dann die 6-7 Stunden nach Madeira und brachten zum 1. Mal unsere Schleppangel aus. Hier soll man sehr gute Chancen auf einen Fang haben, aber trotz des tollen Gummitintenfisches, den wir an einer 100 Meter-Leine hinter uns herzogen, wollte kein Fisch beißen. Schon weit vor der Marina, in der Nähe von Caniçal, schoss uns der Marinero mit seinem Gummiboot entgegen, um uns einen Platz in der halbleeren Marina zuzuweisen. Schon vorher hatten wir mit Sven und Lisa, unseren schwedischen Freunden von der Randivåg, ausgemacht, uns einen Leihwagen für 8 Tage zu teilen. Schnell hatte Sven seine Wunschliste mit allem, was er auf Madeira sehen wollte, bereit. Von meinen bisherigen Aufenthalten auf Madeira kenne ich selber einige schöne Flecken, die ich gerne wieder sehen wollte. Highlight ist die Wanderung von Madeira´s zweithöchsten Berg auf den höchsten Gipfel, den Pico Ruivo. Während dieser 7-stündigen Wanderung hatten wir alle zu kämpfen. Sie führt über schmale Grade durch mehrere Tunnels und an der senkrechten Wand entlang. Da hätten die Damen doch beinahe gestreikt und tatsächlich 25 Minuten vor dem Pico Ruivo-Berghaus aufgegeben. Doch mit der Ansage, dass hinter der nächsten Biegung 😉 schon der Rastplatz ist, konnten wir die unerschrockenen Seglerinnen dann noch einmal motivieren. Und so erreichten wir glücklich das Ziel. Bizarrer und wilder können wir´s uns gar nicht vorstellen. Wir unternehmen viel und verstehen uns prächtig. Für uns ist es ein Geschenk. Dann feiern wir auch noch Lisa´s Geburtstag mit einem feinen Essen und deftigem schwedischen Schokokuchen zum Dessert.

Wir lassen kaum etwas aus und jeden Tag begreifen wir als etwas besonderes. Doch zieht es uns langsam wieder hinaus, wo es nur noch Wasser zu sehen gibt, aber dafür in allen seinen Farben. Gut 270 Seemeilen liegen vor uns, um vorbeizufahren an den Desertas-Inseln, die von Madeira aus als kompakte große Inseln zu sehen sind. Mit Sondererlaubnis darf hier nur geankert werden. Die Inseln selbst sind unter Naturschutz, was 3 gute Gründe hat: Zum einen wegen einer Population von Mönchsrobben, der einzigen in Portugal, dann wegen der Tarantel, der giftigsten und größten in Europa und schließlich wegen der Seevögel, die hier brüten. So wollen wir nach über 2 Tagen auf See die kleine Insel La Graciosa besuchen, sie liegt unmittelbar nördlich von Lanzarote und gehört zu den kanarischen Inseln. Doch mehr darüber im nächsten Blog.

Lasst Euch nun verzaubern von den Impressionen von Porto Santo und Madeira!

20 Aug 2011

Überfahrt nach Porto Santo

Geschrieben von eva

Endlich ist es soweit: Wir setzen wieder Segel mit Kurs 240°, direkt nach Porto Santo bei Madeira. Vilamoura als Absprunghafen auszusuchen war eine gute Entscheidung. Hier ist es so laut und touristisch, so dass wir froh sind, endlich wegzukommen. Doch unserem Motor gefällt es hier scheinbar, er streikt erstmal. Na toll. Florian findet aber gleich die Ursache, der Dieselfilter ist zu und er muss nur den Schalter auf den 2. Filter umstellen. Schon schnurrt unser Ford-Motor wieder brav.

Wir wollen an der Tankstelle nochmal Halt machen, um unseren Dieselvorrat aufzustocken. Der Marinero bedeutet uns, an einer anderen als der von uns ausgesuchten anzulegen. Gleich darauf wissen wir auch warum: eine große Motorjacht möchte ihren Tank vollmachen: 6.000 Liter Diesel! Da bekommen wir mit unseren 100 Litern, die wir nachtanken, natürlich nur den kleinen Anlegeplatz. Auch gut. Wir vollführen ein wahres Schiffsballett, denn wir müssen umkehren, die große Jacht dreht, von der anderen Seite kommen auch noch Schiffe und irgendwann ist dann endlich jeder da, wo er hinwill oder hinsoll…

Nach diesem kleinen Intermezzo geht es dann aber wirklich los. Die Sonne strahlt warm vom Himmel – ein perfekter Tag. Fast. Der angesagte Wind aus Nord kommt in Wirklichkeit aus Südwest, also aus der Richtung, in die wir wollen. Kursänderung, 180° – direkt nach Süden. Wird schon drehen, bevor wir in Afrika sind… Tatsächlich, die Vorhersage hat dann doch recht und wir können Kurs auf Porto Santo nehmen.

Ist es die Aufregung, dass wir 4 Tage Segeln vor uns haben oder dass der Kurs gleich nicht stimmt? Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass mir ziemlich übel ist. Die kurz zuvor eingenommene Tablette geht zusammen mit dem „Fischfutter“ über Bord, gut, dass wir noch ein Pflaster gegen Seekrankheit haben. Das wirkt ziemlich schnell und ab da müssen die Fische wieder selber nach Nahrung suchen.

Der Wind nimmt ziemlich zu, die Wellen auch und so sitzen wir dick verpackt im Cockpit, müssen immer wieder einen Schwall Wasser über uns ergehen lassen, der entweder vom Vorschiff oder direkt von der Seite über uns herfällt. Die Gischt spritzt hoch bis ins Segel und überzieht das ganze Schiff mit einer Salzkruste. So hatten wir uns das eigentlich nicht gedacht, aber wir nehmen´s gelassen und machen das Beste daraus.

Vor allem die Freiwache hat ein ganz besonderes „Klangerlebnis“: während das Schiff in die Wellen eintaucht, hört es sich im Innern so an, als würde unsere OOROS die Treppe runterfallen. Wüssten wir nicht, dass unser Schiff so stark und zuverlässig ist, könnte uns angst und bang werden. Die Geräusche bei starkem Seegang sind wirklich vielfältig. Zu den lauten Tönen kommt auch noch das Wispern und Murmeln dazu. Ich fange langsam wirklich an, an Klabautermänner zu glauben! Dazwischen immer wieder ein echtes Fluchen, wenn wieder mal eine Welle über meinen Kapitän hergefallen ist.

Am nächsten Tag beruhigt sich das Wetter wieder und es ist so, wie wir uns die Überfahrt gewünscht haben. Optimaler Wind, ruhige See, ab und zu ein großes Schiff, das meist in großem Abstand an uns vorbeifährt. Ich habe das Gefühl, wir treiben auf einem riesigen, randvollen Suppenteller. Wohin ich auch schaue, überall Wasser und die Illusion einer riesigen Platte. Die Erde ist eine Scheibe? – keine Frage! Und egal, in welche Richtung oder in welcher Geschwindigkeit wir uns fortbewegen, wir bleiben immer in der Mitte.

Als ein riesiger Autofrachter an uns vorbeifährt, ruft in Florian über Funk an, um Wetterinformationen zu erhalten und ein bisserl zu ratschen. Der Funker der „Alliance of San Louis“ ist unterwegs in die USA und für einen kleinen Plausch gern zu haben. Mittendrin sagt er, dass eine Lady versucht, uns über Funk zu erreichen. Wir hören sie nicht, so spielt er mit seinem „großen“ Funk den Vermittler und es stellt sich heraus, dass es sich um Lisa und Sven von der Randivåg handelt! Unglaublich – so eine Überraschung! Der Vergleich der Positionen ergibt, dass sie ca. 100 Seemeilen vor uns sind. Noch ein Grund mehr, uns auf Porto Santo zu freuen, haben wir die beiden doch vor gut 2 Monaten das letzte Mal gesehen!

So vergeht ein Tag nach dem anderen, uns geht es ausgesprochen gut, täglich gibt es eine warme Mahlzeit und wir genießen die Zeit sehr. So sehr, dass, als endlich der Ruf „Land in Sicht“ erschallt, die Überlegung kurz im Raum steht, direkt nach Lanzarote weiterzusegeln. Aber nein, im letzten Tageslicht erreichen wir den Hafen und genehmigen uns einen „Anleger“ in Form eines Bieres in der Hafenbar, da die Randivåg verwaist ist. Doch als wir zurück zum Schiff kommen, sind Sven und Lisa schon da und laden uns ein. Was für ein schöner Empfang!

11 Aug 2011

Muito Obrigado!

Geschrieben von florian

Muito Obrigado, Paula, Armando, João e Catarina para dois dias com felicidade e alegria!

Mit dem Leihwagen haben wir unsere portugiesischen Freunde in Olhão nochmal besucht. Wir haben eine gute Flasche Sekt im Gepäck, um uns für diesen besonderen Tag, den sie uns geschenkt haben, zu bedanken. Doch kaum, dass wir an ihrem Restaurant in der Altstadt angekommen sind, haben sie uns wieder mit ihrer Gastfreundschaft überschüttet. „Wollt Ihr Fisch essen?“ – da hat Armando schon 2 wunderbare Doraden gepackt, während Paula uns Weißwein, Oliven, Brot, Butter und Sardinenpaté bringt. Auch die Kinder schauen immer wieder vorbei. Das Essen ist wie immer köstlich! Später wird dann noch der Familienpapagei gebracht, der so lieb und zutraulich ist wie die ganze Familie – wen wundert´s!? Beim herzlichen Abschied bitten sie noch, wir mögen bald wiederkommen und könnten dann ja gegenüber wohnen und jeden Tag Dorade essen – ob uns das gut täte??

Aber wir haben noch mehr erlebt: So sind wir an den Grenzfluss Guardiana gefahren. Er ist schiffbar, auch für Segelschiffe, bis 40 km ins Landesinnere. Dort gibt es einige Yachties, die vor vielen Jahren dort hängengeblieben sind. Die beiden hübschen Grenzstädte sind auf portugiesischer Seite Vila Real de Santo Antonio und auf spanischer das noch schönere Ayamonte. Hier statten wir einem guten und preiswerten Schiffsausrüster einen Besuch ab. Es stellt sich heraus, dass der brave Holländer in den 70er Jahren bei Klepper in Rosenheim Boote gebaut hat!

Da immer wieder starker Wind ums Kap São Vicente zieht, warten wir noch auf bessere Bedingungen, die sich am Wochenende einstellen sollen. Wir freuen uns beide sehr auf die Überfahrt, da uns Vilamoura zu teuer, zu laut und zu Schickimicki ist. Und uns lockt die Entdeckung des Madeira-Archipels!

5 Aug 2011

Portugiesische Gastfreundschaft

Geschrieben von eva

Endlich – wir haben es geschafft und Lagos verlassen! Nach so langer Zeit verbindet uns so viel mit der liebenswerten Stadt, dass uns der Abschied schwer fällt. Aber es gibt auch viel Neues zu entdecken: Nächster Hafen ist Albufeira. Wir haben von anderen Seglern schon gehört, dass der Hafen ziemlich außerhalb der Stadt liegt und somit auch nicht wirklich attraktiv ist. Die Anmeldung am Hafen dauert eine halbe Stunde – bisheriger Rekord. Was die alles wissen wollen, grad dass sie nicht nach Schuh- und Körbchengröße fragen! Die Auskunft, dass es beim nächsten Mal nicht so lange dauert, beruhigt uns ungemein…. Den Hafen gab es vor einigen Jahren noch gar nicht und er wurde in eine kleine Bucht gesprengt. Überall außenrum sind noch die Baustellen, nur die Häuser direkt am Hafen sind schon fertig und teils bewohnt. Sie erinnern an Häuser im Legoland, verschachtelt gebaut und in ganz vielen Pastelltönen gehalten. Das war´s dann aber auch mit der Attraktivität des Hafens. Die Duschen und Toiletten sind in einer Parkgarage untergebracht – gut, dass wir nachts nicht raus müssen. Der Ort selbst, den man nach einem 20-minütigen Marsch erreicht, ist voll auf die Touris eingestellt. Abends ist hier die Hölle los, ein Restaurant am anderen, dazwischen Ramschläden. Wir bleiben nur 2 Tage hier.

Wir wollen nachsehen, was es mit Culatra auf sich hat, das uns schon von sehr vielen Seglern empfohlen wurde. Culatra ist eine Insel vor Faro, hier kann man nur ankern. Sven und Lisa von der Randivåg haben uns per Mail geschrieben, dass sie dort eine Woche waren. Wow, so lange, denken wir – ohne zu ahnen, dass auch wir dort genauso lange bleiben. Die Einfahrt zwischen 2 Inseln ist ziemlich tricky. Auf dem Weg dorthin fahren wir über eine Sandbank und haben nur noch 90 cm Wasser unter unserem Kiel – wir sind wieder mal froh, nur einen geringen Tiefgang zu haben. An der Einfahrt selbst brodelt das Wasser, denn durch den Tidenhub strömt ziemlich viel Wasser rein bzw. raus. Ein kleiner Katamaran fährt vor uns durch (trotz der „falschen“ Zeit) und daraufhin folgen wir ihm. Anderenfalls hätten wir 2 Stunden vor der Insel ankern müssen, um die Flut abzuwarten. Am Ankerplatz hinter der Insel suchen wir uns in dem riesigen Ankerfeld mit ca. 30 anderen Jachten einen Platz etwas außerhalb und lassen den Anker fallen. Ein schönes Gefühl! Am nächsten Tag dann das Dinghi klargemacht und am kleinen Fischerhafen festgemacht. Der Ort erinnert mich an meine Ferien in Rosapineta, als ich noch ein kleines Mädel war. Kleine Häuschen mit überdachter Terrasse, es ist wirklich beschaulich hier. Es gibt auf der Insel keine Autos – nur etliche Traktoren, mit denen die Waren von der Fähre über den Sand zu den Lokalen und Häusern transportiert werden. Die Wege bestehen aus Betonplatten, die aneinandergereiht sind. Um zum großen Strand an der Außenseite der Insel zu gelangen, müssen wir etwa 20 Minuten durch den Ort und über einen Bohlenweg marschieren. Der unbewohnte (und auch größte) Teil der Insel besteht aus Sand und niederem Gebüsch, so stellen wir uns die Steppe vor. Alles ist trocken, im Mai gab es den letzten Regen. In eben diesem Gebiet trauen wir unseren Augen kaum: ein kleines sandfarbenes Chamäleon schaukelt gemächlich über einen bei Ebbe trockenen Priel. Als es dann in einem Gebüsch verschwindet, ist es nicht mehr zu sehen. Was haben wir für ein Glück – und natürlich keinen Fotoapparat dabei!

Um auch die Umgebung zu erkunden, machen wir einen Ausflug mit der Fähre nach Olhão. Der Ort ist recht ansprechend und wir kehren für ein Mittagessen in einem kleinen Restaurant ein. Wir essen sehr gut – die Seezunge war köstlich! – und unterhalten uns mit dem Wirt. Na gut, Unterhaltung kann man es nicht wirklich nennen, da unsere Portugiesisch-Kenntnisse sich mit den Englisch-Kenntnissen des Wirts etwa die Waage halten. Aber wir verstehen uns soweit, dass er uns von seinem Motorboot erzählt und wir ihm Fotos unserer OOROS zeigen. Sein Schiff liegt in Farol, einem Nachbarort von Culatra, wo die Familie auch ein kleines Häuschen hat. Am Sonntag machen sie immer einen Ausflug und wollen dabei auch nach unserem Schiff Ausschau halten.

Und tatsächlich: Am Sonntag spätvormittags, wir sitzen gerade und lesen so vor uns hin, mit keinem Gedanken an die Wirtsleute, kommt plötzlich ein kleines Motorboot mit 4 winkenden Leuten auf uns zu! Paula und Armando mit ihren 9-jährigen Zwillingen Catarina und João, laden uns ein, mit ihnen mitzufahren. Also schnell die Badesachen eingepackt und los. Es ist unglaublich: Obwohl wir uns so gut wie gar nicht unterhalten können, haben wir viel Spaß zusammen. Mit Kauderwelsch und Händen und Füßen geht das schon. Sie bringen uns zu einer deutsch-portugiesischen Familie, damit wir zumindest für kurze Zeit einen Dolmetscher haben. Wir sind den ganzen Tag unterwegs und abends fahren wir gemeinsam mit dem Auto nach Faro, um bei der fiesta do marisco, einem „Meeresfrüchte-Volksfest“ , den wunderschönen Tag ausklingen zu lassen. Es ist echt unglaublich!

Leider sagt der Wetterbericht ziemlich starken Wind an, so dass wir nach einer Woche hier in Culatra, die viel zu schnell vergangen ist, in einen Hafen verholen wollen. Wir haben miterlebt, wie eine Nachbarjacht auf Drift gegangen ist, weil der Anker nicht mehr gehalten hat. Es ist zum Glück nichts passiert, aber wir wollen nicht 3 Tage lang auf Kohlen sitzen und hoffen, dass unser Anker und der der Nachbarlieger hält. Also auf nach Vilamoura!

Hier erwartet uns das volle Kontrastprogramm. Schickimicki ohne Ende, Mercedes und Porsche sind hier schon fast unteres Niveau, direkt am Hafen parken ein Ferrari, mehrere Hummer und Maserati. Und es gibt natürlich etliche wirklich große Motorjachten. Wir freuen uns immer schadenfroh darüber, wenn wir sie an den Tankstellen sehen und stundenlang Diesel reinlaufen lassen. Da genießen wir es immer doppelt, alleine mit Windkraft auch große Strecken bewältigen zu können. Aber vorerst bleiben wir noch hier, wir wollen bei Starkwind im sicheren Hafen bleiben und dann auf ein Wetterfenster warten, um die Überfahrt nach Porto Santo bei Madeira zu wagen.

Da Ihr uns ja nun schon gut genug kennt, wisst Ihr ja, dass bis dahin noch einige Zeit vergehen kann 😉

24 Jul 2011

Segleralltag im Hafen

Geschrieben von florian

Manche von Euch könnten sich die Frage stellen: Was macht der ambitionierte Ozeansegler den ganzen Tag? Wenn er schon über 4 Wochen am selben Ort weilt und wir von ihm erfahren haben, dass der Strand nah und breit ist und die Marina zentral liegt – soll heißen, es ist nicht weit zur nächsten Bar und er überlegt, für welchen Cocktail er sein Geld heute abend ausgeben soll und ob er dem freundlichen Drummer, der sich schon mal mit ihm unterhalten hat, auch euphorisch genug applaudiert hat.  

Während wir hier im kalten Deutschland das Frühstück für 4 Leute richten, alle langsam eintrudelnd sich lustlos an den Tisch setzen, schreibe ich schon den Einkaufszettel für Aldi und Co., trage noch schnell die Wäsche in den Keller und hoffe, dass die Waschmaschine sie fertig wieder ausspuckt, wenn ich zurück bin.

Ganz einfach: wir richten das Frühstück, es besteht aus Müsli, wenn es schnell gehen soll, weil die Nacht kürzer und der Morgen im Bett länger geworden ist oder es gibt Brot, Schinken, Ei, Marmelade usw., dann schauen wir, was wir brauchen, insbesondere für die Weiterfahrt, die jetzt schon seit Wochen angedacht und geplant wird, doch ein Grund hierzubleiben findet sich immer. Es ist entweder zu viel Wind oder zu wenig oder ein Ausflug mit dem Auto, dem Roller oder dem kleinen Beiboot mit dem 3 PS-Außenborder auf die brüllende See zu den vorgelagerten Grotten ist geplant.

 Im Übrigen gilt der Spruch: „Jeder Segeltag ist ein verlorener Hafentag“!

 So werden also meist die Räder vom Schiff gehoben, um zu Aldi oder Lidl zu fahren und endlich mal wieder Sauerkraut und Schweinshaxe zu essen. Das ist doch mal wieder was! Und die Salsiccia typo Berner, soll heißen Berner Würstl, also alles wie zuhause. Nur ist der Kühlschrank wesentlich kleiner und ein Gefrierfach nicht vorhanden. Und die Nahrungsbeschaffung meist anstrengender ist als in Kolbermoor. Mit der Wäsche verhält es sich ähnlich: sie muss in die Waschküche getragen werden, was schon mal in einem mittleren Spaziergang mündet, besonders wenn man vergessen hat, die Wertmarken im Hafenbüro zu kaufen. Also alles nicht so einfach. Aber beschweren wollen wir uns trotzdem nicht, denn unsere Regenschirme haben wir seit Ende Mai nicht mehr gebraucht. Und seitdem tragen wir nur noch kurze Hosen zu den zu kurz gewaschenen Polos.

Aber die Grottenfahrt war ein Schmaus, so haben wir uns an die gewerblichen Grottenfahrer drangehängt, um überhaupt zu sehen, wo man reinfahren kann. Mancher Steinbogen ist so schmal und niedrig, dass man nur bei Ebbe hineingelangt.  Drinnen dann herrliche Farb- und Lichtreflexe. Aber auch Tavira, schon nahe der spanischen Grenze, hat sich gelohnt. Die Stadt ist ein Kleinod von Karthagern und Phoeniziern gegründet und ca. 500 Jahre von den Mauren ausgebaut und befestigt, war sie später der bedeutendste Hafen nicht nur für die Fischerei an der ganzen Algarve. Doch diesen Rang musste sie längst an Faro abtreten, nachdem die Zufahrt versandet und die Sardinenschwärme ausgeblieben sind.

Doch jetzt Euch viel Spaß beim Betrachten der Bilder!

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