HERZLICH WILLKOMMEN

Das Leben ist wie das Meer mit seinen Höhen und Tiefen, Stürmen und Flauten und der Ankunft im Hafen. Es ist das Einlassen auf das große Element Wasser, aus dem alles entstanden ist.

Unser Hintergrund dabei ist, die sicheren, eingegangenen Wege zu verlassen. Wasserlandschaften, Küsten, Inseln und ihre Bewohner kennenzulernen. Uns jeden Tag auf neue Abenteuer einzulassen. Auf die Zeichen des Wetters und der Umwelt zu achten, um in den Gegebenheiten bestehen zu können und damit Vertrauen zu finden in bereits verlorengeglaubte Fähigkeiten.

Wir würden uns freuen, wenn wir Euch mit dieser Seite trockenen Fusses durchs Wasser mitnehmen können. Viel Spaß beim Stöbern!

Eva & Florian

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13 Jul 2011

Immer wieder Lagos

Geschrieben von florian

OOROS schwimmt wieder! Das Getriebe, das Loch im Dinghi, ein Kühlwasserrohr in Kupfer (neu angefertigt) und etliches andere mehr sind repariert oder neu erstellt worden.

Wir selbst haben noch einmal eine Schicht Antifouling auf dem Unterwasserschiff aufgetragen und das neue rötlich glänzende Kupferrohr eingebaut und einige kleine Schadstellen mit Epoxy und Farbe ausgebessert.

Auch haben wir uns mittlerweile wieder etwas vom Preisschock erholt, den uns die Rechnung der Werft beschert hat. Immerhin waren wir dort zwei Wochen  hoch und trocken gestanden und haben selbstverständlich an Bord gewohnt. Aber ständig mussten wir über die Leiter rauf und runter klettern. Gar nicht so einfach, wenn man um fünf Uhr morgens aufs Kloo muss!

Dann haben wir einige Hafentage genossen. Der Hafen liegt mitten in der City – gesäumt von Restaurants und Bars und abends gibt es immer irgendwo Livemusik. Hie und da ein Schwatz  und ein Glas mit deutschen und schwedischen Seglern. Geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist doppelte Freude.

Eigentlich geht es uns wie vor 10 Jahren, als wir mit einem Wohnwagen schon einmal hier waren. Damals fiel es uns auch schwer wieder wegzufahren, auch wenn damals wegfahren gleichbedeutend mit heimfahren war.

Wir wollten uns die Algarve aber auch unter Wasser anschauen und hatten zwei wenig ergiebige Tauchgänge, die uns aber immerhin einen ziemlich großen Kraken und einige Tintenfische beschert haben, der längste war immerhin 60 cm und schwamm wie ein Torpedo um uns rum.

Auch einen Ausritt auf einem Roller haben wir gewagt, um noch einmal ans Cap Sao Vicente zu fahren, das wir vor 3 Wochen umrundet haben. Es ist schön, so ein Kap sowohl von der See- als auch von der Landseite zu kennen und ein wenig waren wir auch stolz, diesen wichtigen Wegpunkt genommen zu haben. Die nächsten Tage wird es weitergehen und es gibt ein Novum: denn es ist das erste mal auf unserer Reise, dass wir uns nicht in Richtung unseres nächsten großen Ziels bewegen. Denn das ist die Insel Porto Santo bei Madeira, doch wir wollen uns erstmal die Küste und Orte ansehen, die im Osten liegen wie Portimao oder Albufeira, Villamoura und Faro.

Doch mehr darüber in unserem neuen Blog!

26 Jun 2011

Abgeschleppt

Geschrieben von eva

Abschied von Cascais und damit auch von Lissabon. Doch wir wollen weiter. Unser Ziel ist Sesimbra, knapp 30 Seemeilen (ca. 55 km) von Cascais entfernt. Als wir dort ankommen, ist der Hafen klein und voll und auf dem Ankerplatz, der in unserem schlauen Buch verzeichnet ist, findet gerade eine Regatta statt. Also weiter bis zum nächsten Ankerplatz in der romantischen Bucht von Arrábida, nur ein paar Meilen entfernt. Einmal im kalten Wasser ums Schiff schwimmen – herrlich! Wir fühlen uns so frei wie schon lange nicht mehr! Es gibt noch ein paar weitere Ankerlieger, die sich aber bis zum Abend verabschieden. Nachts erfahren wir dann warum: Da die Hänge rings um die Bucht steil sind, kommen nachts heftige Fallböen und schütteln uns durch. Morgens ist alles wieder friedlich und wir segeln weiter. Das nächste Ziel heißt Sines – der letzte Hafen, bevor wir die Algarve erreichen. Kurz nach unserer Ankunft trudeln auch Sven und Lisa mit ihrer Randivåg ein – wir hatten sie in einem ganz anderen Hafen vermutet und freuen uns alle sehr.
 
 
 

Sines ist der Geburtsort von Vasco da Gama, der 1498 den Seeweg nach Indien entdeckte. Trotz dieser Tatsache ist der kleine Ort nicht vom Tourismus überrollt und hat sich seinen natürlichen Charme erhalten. In den Bars und Restaurant sind hauptsächlich Einheimische zu finden und wir fühlen uns sehr wohl – zum Glück, denn das Wetter hält uns eine Woche lang hier fest. Starkwind und hohe Wellen am Kap – nein danke!
Doch dann geht es weiter Richtung Cabo de São Vicente, dem südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Endlich! In Sines haben wir ein deutsches Paar kennengelernt, die mit ihrer Bonita auf dem gleichen Weg wie Randivåg und wir sind. Da wir jedoch alle unterschiedliche Geschwindigkeiten haben, vereinbaren wir, dass wir alle 2 Stunden per Funk Kontakt zueinander aufnehmen. Die Randivåg erreicht als erste den Ankerplatz in Sagres kurz nach dem Kap. Ich möchte der Bonita Bescheid geben und rufe sie per Funk an. Die Stimme am anderen Ende kommt mir zwar ein bisserl komisch vor, aber darüber mache ich mir keine großen Gedanken, könnte ja an der Funkverbindung liegen. Dass Peter aber unbedingt Englisch reden will, macht mich dann schon stutzig. Als er dann noch fragt, wie genau wir denn heißen, ist mir klar: das ist nicht die Bonita, mit der ich sprechen wollte! Ich erkläre dem unbekannten Funker, dass ich mit der Segeljacht Bonita aus Deutschland sprechen will, woraufhin er mir erklärt, er sei der Motortanker Bonita aus Griechenland! So ein Zufall, mit zwei Bonitas ums Kap zu fahren! Im Nachhinein stellen wir fest, dass dieser Tanker 246 m lang und 42 m breit ist. Zum Glück hatten wir ihn zuvor gewarnt, dass es ums Kap mit 15 und mehr Knoten bläst. Jetzt können wir uns auch seine Lache am Funkgerät erklären…
 
Doch wir hatten noch eine weitere Begegnung mit einem Großschiff: kurz nachdem wir aus Sines ausgelaufen sind, passierten wir ein Containerschiff vor dem Bug, das Kurs auf Sines genommen hatte. Der Abstand zum Containerschiff war nicht ganz riesig, aber sicher. Doch plötzlich drehte das Ungetüm und hielt auf uns zu! Florian hat ihn sofort per Funk angerufen – die Hafenkontrolle in Sines hat sich eingeschalten und das Schiff wieder auf einen für uns sicheren Kurs gebracht. Puh – das war fies!
In der wunderschönen Bucht von Sagres, umgeben von Steilklippen, ist das Wasser ziemlich kalt – 16° C! Trotzdem schaffe sogar ich es, eine Runde ums Schiff zu schwimmen! Der Schwell nimmt stetig zu und wir schaukeln von einer Seite auf die andere. Am 2. Tag dann beschließen wir weiterzufahren. Die Bonita ist schon weg, die hatten die Schaukelei schon nach einem Tag satt. Wir haben Probleme den Motor zu starten, da die Batterie nicht so ganz will. Als er dann endlich anspringt, geht er nach kurzer Zeit von selbst wieder aus. Sven, der mit seinem Beiboot zu uns rüberrudert, meint, es ist wahrscheinlich durch die ständige Schaukelei Luft in der Dieselleitung, die erst den Ausweg finden muss. Doch der Batterie fehlt die Kraft und plötzlich meldet sich auch noch ein komisches Geräusch aus dem Motor. Wir lassen ihn aus und legen unter Segeln ab. Also Anker auf und los – wir sind ganz stolz, dass es so gut funktioniert! Auf der halben Strecke nach Lagos schläft jedoch der Wind ein und wir dümpeln nur noch. Die Randivåg, die uns nicht im Stich lässt, schleppt uns 2 1/2 Stunden bis kurz vor die Hafeneinfahrt von Lagos, wo wir von vorher gerufenen Helfern in Empfang genommen werden. Das letzte Mal wurden wir in Medemblik (Ijsselmeer) abgeschleppt – vor fast genau einem Jahr! Als wir uns bei Sven und Lisa bedanken, bekommen wir als Antwort “Dafür hat man Freunde” – es ist unglaublich schön! Und da Midsommar in Schweden, das genauso wichtig ist wie Weihnachten!, im Kreis von Freunden und Familie gefeiert wird, dürfen wir natürlich auch mit dabei sein. Es gibt traditionell Hering, neue Kartoffeln, Schnittlauch und vieles mehr, als Getränke stehen Bier und Schnaps am Tisch. Und vor jedem Schluck Schnaps gibt es ein schwedisches Trinklied – es wird viel gesungen an diesem Abend!
Jetzt steht die Ooros wieder mal an Land, das Getriebe ist ausgebaut und wir harren der Dinge, die uns noch erwarten. Langweilig wird uns auf alle Fälle nie!

 

10 Jun 2011

Unfreiwillige Nachtfahrt nach Cascais

Geschrieben von florian

Peniche lag voraus. Von Sally, Kapitän Mike und auch der Katze Misty haben wir uns verabschiedet, auch das OOROS-Logo an die Wand der Hafenmole gepinselt, wie es hier seit vielen Jahren Tradition ist, um zu zeigen, dass wir gerne hier waren. Luis und die anderen von der kleinen Bar werden uns in Erinnerung bleiben. Na gut, etwas Aberglaube ist auch dabei….

Peniche, nur 5-6 Segelstunden von Nazare, das sollte genügen – dachten wir. Aber es kam wieder ganz anders! Nach anfangs zu wenig Wind hatten wir dann zu viel und dankbar sind wir hinter der Landzunge, auf der Peniche liegt, in die Abdeckung gefahren. Aber der Besuchersteg war voll, zum Ankern kein Platz und die Muringbojen, die zum Festmachen da sein sollten, hatten wohl einen Ausflug gemacht. Wir drehten ab, sauer und verunsichert, auf eine Nachtfahrt waren wir nicht vorbereitet. Voraussichtliche Ankunftszeit in Cascais/Lissabon: der frühe Morgen. Wind und Welle gingen allmählich etwas zurück – schönes Nachtsegeln.

Kurz vor der Hafeneinfahrt passierte es dann: ein Speedboot schoss in irrem Tempo an unserem Bug vorbei – kein Problem. Gleich darauf strahlte uns plötzlich ein Lotsenboot mit seinem starken Scheinwerfer an und drängte uns ab. Und dann sahen wir die letzte Tonne – 4 Meter vor uns! Hui, das war knapp! Wie konnte das passieren? Müdigkeit, Ablenkung und ein rotes Licht, das den Namen nicht verdient. Doch gleich darauf hat man uns sogar noch beim Festmachen geholfen. Es ist 2.30 Uhr. Die 17 Stunden Segeln stecken uns noch in den Knochen, als wir am nächsten Tag an unseren endgültigen Liegeplatz verholen und der Stadt unsere Aufwartung machen, wir sahen gleich: Cascais ist ein guter Platz. Nur 40 Minuten mit dem Zug nach Lissabon und Sintra. Cascais feiert sich und so ist jeden Abend auf dem Platz was geboten: Kulturmedaillen müssen an den Mann oder die Frau gebracht werden, am nächsten Tag Tanz, dann Konzert etc. Ein Ausflug mit dem Linienbus nach Sintra ist der Knaller: Palacio da Pena, das Neuschwanstein Portugals, fantastisch in den märchenhaft bewaldeten Hügeln. Auf Lissabon  und die weite Bucht haben die Könige von Portugal (bis 1910) mit ihren hochwohlgeborenen Damen hier geschaut. Nun tun wir es und erfreuen uns an der Ausstattung dieser Sommerresidenz. Unten in Sintra dann das Stadtschloss, auch maurisch angehaucht. Dann gibt es noch ein Schloss und ein ehemaliges Kloster – zuviel für unsere kleinen Köpfe.

Doch langsam wird es wieder Zeit, die Leinen zu lösen und Kurs 180° zu steuern. Nächstes Ziel soll Sesimbra oder gleich Sines sein – die Algarve scheint zum Greifen nah!

26 Mai 2011

Nachtfahrt nach Nazaré

Geschrieben von eva

Um nicht ganz aus der Übung zu kommen, habe ich vorgeschlagen, den nächsten Schlag etwas zu verlängern und eine Nachtfahrt nach Nazaré zu machen. Gesagt, getan: am Samstag, den 21. Mai, starteten wir gemütlich um die Mittagszeit. Wind und Welle waren gemäßigt angesagt. Doch was Florian vor einiger Zeit schon von einem Segler gehört hatte „schlimmer wird´s sowieso“, bewahrheitete sich (auch) diesmal: Aus den vorhergesagten max. 19 Knoten Wind wurden bis zu 25 Knoten (ca. 45 km/h), was bei bis zu 3 Meter Welle ganz schön unangenehm werden kann. Aber zumindest konnten wir, abgesehen von Hafenaus- und -einfahrt, alles segeln! Das 1. Mal seit längerer Zeit.

Diesmal war ich ganz zuversichtlich hinsichtlich meiner Seekrankheit. Und tatsächlich: ich hatte absolut keine Probleme, bis…. Aber der Reihe nach:

Stark gerefft fuhren wir in den Abend hinein. Florian wollte schon um 8 Uhr abends die erste Freiwache (wachfreie Zeit) nehmen. Als er aber um 9 Uhr schon wieder auf der Matte stand, weil er absolut nicht schlafen konnte, versuchte ich mein Glück. Ich war sehr euphorisch, da ich „seegesund“ war und mit Wind und Welle gut zurechtkam. Es machte richtig Spaß zu beobachten, wie das Schiff und die Windfahnensteuerung mit den hohen Wellen, die meistens im Dreierpack anrollen, zurechtkamen. Aber was macht man nicht alles für seinen Käpt´n – also ab in die noch warme Koje. Doch sobald ich in der Koje lag, hörte ich die Bordgeräusche plötzlich ganz anders: Da scheppert es überall, wenn bei großen Wellen die Teller und Tassen in den Schapps rumrutschen, wenn Honig- und Nutellagläser gegen die Schiebetüren drücken, wenn in der Bilge (unser „Keller“) die Flaschen klirren. Auch hört man es plötzlich viel lauter, wenn an Deck in einer Böe die Leinen schlagen, wenn ein Segel flattert. Ich drehte in meinem Bett mehrere Runden: rechts, auf dem Bauch, links, auf dem Rücken und wieder von vorn. Und als ich dann endlich eingeschlafen war, der Ruf von meinem allerbesten Ehemann: „Wachablösung, aufwachen!“. Das war dann um eins in der Nacht. Nach einer halben Stunde Schlaf. Aber es hilft ja nichts. Als Belohnung kam dann der noch fast volle Mond durch die Wolkendecke und zeichnete eine breite silberne Spur auf das Meer. Das Licht war so hell, dass ich mich umsah, um das Fischerboot mit dem starken Scheinwerfer zu suchen. Aber es war nur mein nächtlicher Begleiter, der Mond, der mir den Weg wies.

Durch den Schlafmangel machte sich dann doch langsam die Seekrankheit bemerkbar. Zwar nur ganz leise, aber doch fühlbar. So war dann um Viertel nach 5 alle Euphorie verflogen, als ich Florian wieder aus den Federn holte, um nochmal knapp 2 Stunden Schlaf nachzuholen. Um halb 9 morgens erreichten wir dann glücklich Nazaré, wo wir von Kapitän Hadley begrüßt wurden. Mike, wie wir ihn als seine Freunde nun nennen dürfen, ist ein alter Seebär, der trotz körperlicher Gebrechen mit Würde und vor allem mit Herzlichkeit die Segler zum richtigen Liegeplatz lotst und auch sonst immer für uns da ist und stets für einen Plausch zu haben ist.

Von unserer Nachtfahrt gibt es verständlicherweise keine Fotos (zu dunkel und unruhig), dafür stellen wir Euch die wunderbaren Orte Nazaré und Óbidos, zu dem wir einen Ausflug gemacht haben, diesmal mehr mit Bildern als mit Worten vor!

17 Mai 2011

Portugal I. – ein Jahr unterwegs!

Geschrieben von florian

Besonders grüßen möchte ich meine Klassenkameraden aus Ingolstadt, die mich in einer Skype-Schaltung kurz am Klassentreffen (dem 1. seit 25 Jahren!) teilhaben ließen. Danke Astrid, Tom und Gerhard.

Mit Bayona liegt nicht nur unsere letzte Stadt in Galizien hinter uns, sondern auch für längere Zeit die letzte spanische Stadt. Gemeinsam mit den Schweden sind wir aufgebrochen, um bei der Grenzstadt La Guarda die spanische gegen die portugiesische Gastlandflagge auszutauschen.  Damit wird uns immer sehr bewusst, dass wir auf unserer Reise vorankommen. Denn auf den heutigen Tag genau vor einem Jahr sind wir in Glückstadt gestartet!

Nach zu vielen Motorstunden entlang der Küste machten wir nach ca. 7 Stunden Fahrt die Maschine aus. So richtig stark war der Wind dann ausgerechnet bei der Ansteuerung des Rio Minho. Wir hatten allerhand zu tun, die OOROS auf Kurs zu halten und die Segel zu bergen, um kurz darauf in der Marina festzumachen.

Viana do Castelo ist schön – kleine Gassen, tolle Plätze und viele alte Gebäude machen den Flair aus. Und dazwischen die Frauen der Fischer, die rufend den Fang der letzten Nacht verkaufen. Schon am 2. Tag waren wir wieder unterwegs, was auch Lisa und Sven mit ihrer Randivåg einschließt, die eine knappe Stunde hinter uns sind. Wir sehen ihre Segel meist am Horizont und schließlich nur noch als kleinen grauen Punkt auf dem Radar – Nebel ist aufgezogen, der immer dichter wird, so dass wir gebannt zum Bug starren, um nicht mitten auf eine der unzähligen Fischerbojen zu fahren, die die Fangkörbe und Netze kennzeichnen. Der betriebsame Hafen von Leixões kommt immer näher, auf dem Radar sehen wir große graue Schatten, die sich nicht bewegen. Offensichtlich die dicken Pötte, die vor Anker einige Meilen um die Hafeneinfahrt liegen und auf ihre Abfertigung warten.

Die Marina von Leixões ist rottig, ein schmutzigeres Hafenwasser findet man selten. Aber Leixões ist ja auch der Hafen von Porto, das einige Kilometer oberhalb der Mündung des Rio Douro liegt. Anmutig und geschichtsträchtig wachsen die Gebäude rechts und links des Flusses die Ufer hoch. Am Südufer sind die Portweinkellereien, solche mit Weltruf und unbekannte. Gustav Eiffel baute eine Stahlbrücke, die beide Teile verbindet. Paläste und Kirchen mit großen Kachelbildern prägen das Stadtbild nördlich. Aber auch heruntergekomme Häuser und offensichtliche Armut finden sich überall. Überhaupt scheint eine tiefe Melancholie von der portugiesischen Seele auszugehen. Man braucht etwas Zeit, um sich in dieser Stadt der Gegensätze, die seit 1996 Weltkulturerbe ist, zurechtzufinden. So war denn auch der erste Satz über Porto von meiner lieben Eva: „Hierher brauchen wir nur einmal zu fahren“. Inzwischen planen wir den dritten Ausflug.

Außerdem haben wir nette deutsche Segler kennengelernt und in lockerer Runde Informationen ausgetauscht. Denn für die 3 deutschen Seglerpaare neigt sich mit der Fahrt nach Norden die Traumzeit des Segelns in warmen Gefilden dem Ende.

6 Mai 2011

Die Bayona-Story

Geschrieben von florian

Langsam ist wieder der Segelalltag – oder besser der Hafenalltag – auf der OOROS eingekehrt, nachdem wir mit unserem Neffen Konstantin doch einiges erlebt haben, wie unsere geneigten Leser aus der letzten Staffel wissen.

Aber langweilig wird es trotzdem nicht! So sind wir also vor einigen Tagen von Vigo wieder nach Bayona etwas weiter in den Süden gefahren. Hier ist unser Absprunghafen für Portugal. Kurz nach dem Festmachen in der Marina kommen doch plötzlich Lisa und Sven in den Hafen gefahren! Das war ein großes Willkommen, unsere schwedischen Nachbarn aus La Coruña wiederzusehen. Das haben wir abends dann gleich ausgiebig mit Fisch und Meeresfrüchten gefeiert.

Das Wetter ist etwas unbeständiger geworden, aber vor allem hat Südwind eingesetzt, der die nächsten Tage noch heftiger werden soll. Also ist an Weiterfahren momentan nicht zu denken. Doch der Hafen direkt an der Festungsmauer hat Flair, ebenso wie die Altstadt von Bayona.

Vorgestern hat mich der Hafenmeister endgültig ins Herz geschlossen, nachdem ich in voller Montur ein Bad im Hafenwasser genommen hatte. Und das kam so: Der Hafenmeister kam gerade mit einer großen Motoryacht des Weges, um neben uns einzuparken. Sofort, wie wir netten Deutschen so sind und natürlich auch etwas in Sorge um die OOROS, weil der Wind stark blies und das Anlegen dadurch nicht leichter wird, bin ich rüber, um mit den Leinen zu helfen. Doch die Leinen waren zu kurz und so hat mir der Hafenmeister ein Ende des Bootshakens gereicht, um das Schiff näher an den Steg zu bekommen. Dabei teilte sich plötzlich der Stab in der Mitte – ganz so, als hätte Moses selbst bei der Teilung geholfen –  und so bin ich also rückwärts, den Teil des Bootshakens fest in der Hand, in der zu kalten Hafenbrühe verschwunden.

So kann man mit kleinen Dingen jeden Tag zu etwas Besonderem machen 😉

1 Mai 2011

Osterbesuch

Geschrieben von eva

Es ist wieder mal viel passiert in den letzten 2 Wochen:

Am 19. April haben wir uns mit unserem Neffen Konstantin in Madrid verabredet. Doch am 18. lagen wir beide noch krank im Bett: Ich hatte eine Magen-Darm-Geschichte und der Florian Fieber. So haben wir halt einfach abgewartet, wem von uns beiden es am nächsten Tag besser geht. Das war dann ich. Um halb sechs in der Früh mit dem Taxi zum Flughafen in Vigo, um nach Madrid zu fliegen. Tja, und so haben wir Madrid dann zu zweit statt zu dritt unsicher gemacht. Die Stadt ist zwar riesig, aber die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind alle im Zentrum. Und was sieht man sich in Madrid alles an? Die Auswahl ist groß ….. Konstantin und ich haben uns von der wunderschönen Plaza Mayor aus durch die Gassen treiben lassen, eine Rundfahrt mit dem „Touri-Bus“ gemacht und natürlich auch das Museo del Prado und das Museo Thyssen-Bornemisza (beide an einem Tag!!) besucht. Wir waren im HardRock Cafe und versehentlich am Rande des Rotlichviertels, im Archäologischen Nationalmuseum, am Palacio Real ….. die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Die Eindrücke waren toll und es war sehr schön, ein paar Tage alleine mit meinem Patenkind zu verbringen. Florian war zwischenzeitlich wieder auf dem Weg der Besserung und konnte so schon einiges für unsere Ankunft vorbereiten…

Es ist schon spannend, einen „Neusegler“ auf der OOROS zu haben! Erst einmal mussten allerdings die 4 neuen Servicebatterien eingebaut werden – gut, dass der Florian schon wieder fit war. Wir wollten ja auf die Islas Cíes zum Ankern und bei unserem letzten Ankerstopp haben die alten Batterien gerade noch so den Anker hochbekommen. Am Ostersonntag sind wir dann losgesegelt, um bei herrlichem Wetter gleich neben dem schönsten Strand der Welt den Anker fallenzulassen. Obwohl der Atlantik noch ziemlich kalt ist, sind die beiden Männer tapfer ins Wasser gegangen – brrrrrr! Abends waren dann nur noch wir und ein weiteres deutsches Schiff an der Insel, die Tagesausflügler hatten die Islas alle verlassen. Diese stille Zeit haben wir genutzt, um zum Leuchtturm zu gehen. Am nächsten Tag holten wir den Anker hoch und waren schon auf dem Weg zu einem anderen Strand, als der Florian ein Zollschiff genau dorthin fahren sah. „Unauffällig“ drehten wir ab und wurden natürlich prompt vom Zoll verfolgt. Uns schwante Übles, da es ja so aussehen musste, als wären wir auf der Flucht. Die beiden Zöllner, die auf unser Schiff kamen, waren aber dann sehr nett, nahmen nur unsere Daten auf und wir unterhielten uns über Fußball, Austern, die Schönheit Galiziens und einiges mehr. Das Schiffsinnere hat sie gar nicht interessiert und wir haben alle ganz freundlich und erleichtert gewunken, als sie uns wieder verlassen haben. Später am Tag haben wir dann in Bayona festgemacht, einem hübschen kleinen Örtchen. Hier dann frühmorgens die nächste „Überraschung“: Durch ein pieppieppiep pieppieppiep pieppieppiep aufgeweckt, machten wir uns auf die Suche nach der Ursache. Konstantin´s Erklärung, das müsse ein Vogel sein, hätten wir gerne geglaubt. Leider war es aber der Wassermelder, der Wasser im Schiff anzeigte. Salzwasser!! Leck im Schiff? Nein – Leck in einem Kupferrohr, das Meerwasser zur Motorkühlung durchs Schiff leitet. Erleichterung, dass es nichts Schlimmeres ist! Wir sind dann mit dem Kupferrohr losgestiefelt, um entweder eine Reparatur oder ein neues Rohr zu bekommen. Beides Fehlanzeige, dafür haben wir ein Reparaturset bekommen. Hat auch funktioniert, bis jetzt ist das Rohr dicht!

Konstantin hat in der Zeit, in der er hier war, alles geballt mitbekommen. Reparaturen, Hektik bei der Lecksuche, Zollkontrolle, mal zu wenig Wind, mal kräftig Wind. Aber wir hatten auch viel Spaß zusammen und beim Abschied am Flughafen in Vigo sind dann auch beiderseits Tränen geflossen. Ein Zeichen für eine schöne Zeit!

Da wie diesmal wieder ganz viele Fotos haben, stellen wir sie Euch in 2 Etappen zur Verfügung:

Fotos von Madrid:

Fotos von Vigo, Islas Cíes und Bayona:

16 Apr 2011

Kap Finisterre

Geschrieben von eva

Unser erstes „richtiges“ Kap! Kap Finisterre, am nordwestlichen Ende Spaniens gelegen, galt früher als das Ende der bekannten Welt. Wäre die Erde eine Scheibe, könnte man wohl mit einem guten Fernglas nach Amerika schauen. Da sie das aber nicht ist, haben wir außer Wasser auch nichts gesehen….

Aber der Reihe nach: Eine Kapumrundung – wenn auch nur ein kleines Kap – ist für uns etwas, das man nicht auf die leichte Schulter nimmt. So haben wir uns dann auch gute Wind- und Wellenverhältnisse ausgesucht, um das zu umrunden, was als Ende des Jakobsweges gilt. Hierher kommen die Pilger, um ihre Wanderschuhe nach anstrengenden Wochen zu verbrennen.  Da wir uns aber quasi noch am Anfang unseres Weges befinden, haben wir unsere Segelschuhe angelassen!

Die Sonne hat uns auf diesem Weg nicht begleitet, dafür hatten wir wieder kurzen Delphinbesuch und auch einige Basstölpel, die wir auch schon in der
Nordsee gesehen haben, sind elegant vorbeigeflogen. Welch eine Erleichterung, als wir dann in Portosin angekommen sind. Und die Erkenntnis, dass wir uns viel zu viele Gedanken gemacht haben. Es ist ein richtig gutes Gefühl, Kurs 180° zu fahren – Richtung Süden!

Die Gegend an der Westküste Spaniens ist mit den vielen Rias, die wie Fjordlandschaften anmuten, äußerst schön. Da wir aber auf alle Fälle pünktlich in Vigo sein wollten, haben wir ein paar „übersprungen“ und sind zwischenzeitlich auch am Ziel angelangt. Die Marina Davila Sport liegt am Rand mehrerer großer Werften und direkt neben einem riesigen Gelände, auf dem Citroëns und Peugeots auf riesige Frachter verladen werden. Diese Autos werden in einer nahegelegenen Fabrik gebaut. Aber Vigo hat auch eine sympathische Altstadt und mehrere wunderschöne Parks. Nicht zu vergessen die herrlichen Strände, die die verschiedenen Rias säumen. Leider ist der Atlantik hier das ganze Jahr über ziemlich kalt – ich schaffe es bis zu den Knien, der Florian ist da schon tapferer. Ganz Abgehärtete schwimmen auch schon ein paar Runden – Respekt!

Leider sind unsere Servicebatterien ziemlich am Ende. Da sie aber bestellt werden müssen, muss der Einbau warten, bis wir wieder aus Madrid zurück sind. Dort holen wir unseren Neffen ab – das wird bestimmt eine spannende Zeit für uns alle 3!

8 Apr 2011

Endlich wieder unterwegs!

Geschrieben von florian

Wehmütig hatten wir uns den Abschied von La Coruña vorgestellt, doch dann ging alles ganz schnell. Von unseren Freunden Lisa, Sven, Eva und Grieger auf den beiden schwedischen Schiffen hatten wir uns verabschiedet.

Am Montag zog noch der letzte Morgennebel durch die Ria, als wir aus der Bucht motorten, die uns über den Winter Zuflucht gab. Bevor wir bei herrlichem Sonnenschein und gutem Segelwind die schmale Enge zwischen den Islas Sisargas und dem Festland queren wollten, wurden wir plötzlich von einer unsichtbaren Hand festgehalten. Wir hatten uns in einem Fischernetz festgefahren. Davon wieder loszukommen, hat uns wohl auch unser Tauschneider, den wir vor wenigen Wochen auf die Welle am Propeller geschraubt haben, geholfen – ein rundes Messer, das mit der Welle rotiert.

Abends ankerten wir sicher bei einem kleinen Ort an der zerklüfteten Küste. Außer uns nur einige Fischerboote in der Bucht. Am nächsten Tag gleich weiter, denn unser Neffe möchte die Osterferien als Seemann verbringen! Unser nächster Stopp ist Muxia, wunderschön in einer Fjordlandschaft mit vielen Buchten, weißen Stränden und nur dünner Besiedelung gelegen. Fast kommt es uns vor wie am Attersee in Österreich, wären da nicht blühender Ginster an den Hängen und die Eukalyptuswälder ringsum. Doch jetzt ist Südwind angesagt und deshalb muss die Weiterfahrt zugunsten einer Wanderung verschoben werden. Nach soviel Wasser tut das „Sich Erden“ wieder gut.

Zu erwähnen sind unbedingt noch unsere tierischen Begegnungen: Bereits am 1. Segeltag haben uns wieder Delphine besucht. Dann am 2. Tag, vor der Einfahrt in den Hafen, Große Tümmler. Diese großen Delphine mit ihren kräftigen Ein- und Ausatemgeräuschen gleiten ruhig und anmutig an uns vorbei.  Schließlich auch noch ein Seeotter direkt in der Marina, der sich an den vielen Muscheln gütlich tut.

Jetzt brauchen wir nur noch den richtigen Wind, um das berüchtigte Kap Finisterre zu runden!

30 Mrz 2011

Zurück in La Coruña

Geschrieben von eva

Wir sind wieder gut in Spanien angekommen. Hier haben der Frühling und die Stadtgärtner schon gut zusammengearbeitet: überall auf den Grünflächen blühen bunte Blumen und die meisten Bäume sind auch schon mittendrin, ihr grünes Sommerkleid anzulegen.

Doch auch unsere OOROS hat sich schick gemacht: ein neues Antifouling (um ein grünes Algenkleid zu verhindern) und ein neuer Anstrich auf dem Rumpf machen schon was her! Die beiden Vorsegel, die beim Segelmacher waren, haben wir wieder angeschlagen und den Windgenerator ausgetauscht, weil der alte den Wind nicht mehr in Energie umwandeln wollte. Einer der Hafenarbeiter hat versehentlich eine Leuchtpistole im Schiff gezündet, was uns ein Brandloch im Boden beschert hat! Das wurde inzwischen fachmännisch wieder ausgebessert, man sieht es aber leider trotzdem noch. Ansonsten sind wir recht zufrieden mit der MarinaSeca, bei der unser Schiff derzeit noch auf dem Trockenen steht. Hoffentlich nicht mehr lange – aber da wir unser neues Segelabenteuer ruhig beginnen wollen, warten wir auf einen nur mäßigen Wind, der uns nicht zu sehr schaukeln lässt, wenn wir wieder ins Wasser gelassen werden.

Tja, und dann heißt es langsam Abschied nehmen von La Coruña. Wir waren ganz schön lange hier! Hier haben wir erfahren, wie freundlich und hilfsbereit die Spanier sind. In Frankreich wurde man auf der Straße zwar freundlich gegrüßt, doch ansonsten war das Verhalten der Franzosen eher kühl. In Spanien hingegen grüßt man auf der Straße nicht, aber sobald man Kontakt aufnimmt, wird einem immer geholfen, über Sprachbarrieren hinweg!

An und für sich ganz witzig finden wir es immer, wenn sich 2 oder mehr Personen auf der Straße treffen und ein Gespräch führen. Sie stehen dann üblicherweise mitten auf dem Gehsteig und alle anderen machen einen Bogen um sie herum. Da gibt es kein Murren, jeder hat Verständnis dafür und tritt auch mal auf die Straße, um die Ratschenden nicht zu stören. Oder die Parkerei: in 2. Reihe oder an Bushaltestellen parken? Hier gar kein Problem. Nur ganz selten haben wir mal Polizisten Strafzettel verteilen sehen, wenn sie nicht gerade mit den Falschparkern ein Schwätzchen halten. Und noch nie hat sich ein Busfahrer darüber aufgeregt, dass er mitten auf der Straße stehenbleiben muss, weil alles voller Autos ist. Wir wissen nicht, ob das nur eine galizische Eigenheit ist, gehen aber davon aus, dass das für ganz Spanien gilt!

Unser nächster Bericht wird hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft von einem wieder“ selbst ersegelten“ Ort kommen! Es brennt uns schon unter den Nägeln, auch wenn es gleichzeitig wieder sehr aufregend ist, in See zu stechen!

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