HERZLICH WILLKOMMEN

Das Leben ist wie das Meer mit seinen Höhen und Tiefen, Stürmen und Flauten und der Ankunft im Hafen. Es ist das Einlassen auf das große Element Wasser, aus dem alles entstanden ist.

Unser Hintergrund dabei ist, die sicheren, eingegangenen Wege zu verlassen. Wasserlandschaften, Küsten, Inseln und ihre Bewohner kennenzulernen. Uns jeden Tag auf neue Abenteuer einzulassen. Auf die Zeichen des Wetters und der Umwelt zu achten, um in den Gegebenheiten bestehen zu können und damit Vertrauen zu finden in bereits verlorengeglaubte Fähigkeiten.

Wir würden uns freuen, wenn wir Euch mit dieser Seite trockenen Fusses durchs Wasser mitnehmen können. Viel Spaß beim Stöbern!

Eva & Florian

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18 Okt 2010

Tierische See

Geschrieben von florian

Yes, we did it! Es war klar, dass die Überfahrt nach Spanien mit dem Fortschreiten des Herbstes nicht einfacher werden würde und die Zeit, an der französischen Biskaya-Küste und dann an Nordspanien entlang zu segeln, zu lange dauern würde, um rechtzeitig in wärmere und sicherere Gefilde vorzudringen. So sind wir also am späten Mittwoch Vormittag losgefahren, um bei Einsetzen des letzten Stroms im Englischen Kanal nach Westen Richtung Chenal du Four (zwischen Festlandküste und Ile d‘Ouessant) zu segeln – eine Gegend mit vielen Leuchttürmen und Tonnen, um auf die unzähligen Felsen hinzuweisen. Dann direkt nach Süden, an der Einfahrt Richtung Brest vorbei und auf das offene Meer in die Biskaya.

Unser Appetit auf Essbares ist auf See nie besonders groß, eine gute Gelegenheit, ein paar Pfunde im Kielwasser zu lassen – und die Anstrengung tut ein Übriges. Wechselseitige Nachtwachen und Schlafdefizit, das man am Tag auszugleichen sucht, sorgen dafür, dass wir uns immer nur kurz begegneten, um dem anderen die Wache oder die noch warme Koje zu überlassen.

Doch was sind die Highlights einer solchen Reise? In den Süden und in wärmere Länder, sprich Spanien/Portugal zu kommen, war vordringlich. Wenn der Kompass auf 190° steht. Und natürlich die größte Freude weit draußen, wenn wie am zweiten Tag um kurz nach acht Uhr früh Delfine mit der OOROS spielten und in unterschiedlich großen Gruppen bis ca. 8 Tiere bis zum Mittag blieben. Dann schließlich am Nachmittag des dritten Tages, nur 30 Meter von uns entfernt, der Blas eines Wals 4 Meter in die Luft steigt, gleich darauf der schiefergraue Rücken gefolgt von der kleinen Rückenflosse. Dank meines offenen Mundes und der totalen Unfassbarkeit dieses Ereignisses gibt es leider kein Foto von diesem Finnwal. Doch in uns ist dieser Moment eingebrannt. Gleich darauf aber die Ernüchterung: was kann dieser vielleicht 30 Tonnen schwere und 25 Meter lange Wal mit uns anstellen? Hat er uns bemerkt? Sollen wir den Motor starten oder Musik anmachen? Was, wenn ihm die Dire Straits nicht gefallen? Dann aber haben wir seinen Blas nochmal weit hinter uns gesehen, doch auch er will nach Spanien. Gute Reise grauer Riese! Einige andere waren dagegen nicht in ihrem Element, kleine grüne Vögelchen mit Streichholzbeinen, über 200 km von jedem Land entfernt haben einen kurzen Rastplatz auf der OOROS gefunden. Einer flog uns abends immer wieder an, er wollte wohl weiter, aber da war nirgends Land und so kam er immer wieder zurück. Vor lauter Erschöpfung vergass er sogar seine Scheu und setzte sich auf unsere Hand. Trotzdem verschmähte er den dargereichten Apfel, die Brösel und das Wasser und startete ein letztes Mal ins Ungewisse. Hoffentlich hat er das Ufer erreicht!

Bayona, südlich von Kap Finisterre gelegen, wollten wir nicht mehr ansteuern. Unser Navtex hat Starkwind für das Kap gemeldet – davon bekamen wir dann am nahe gelegenen La Coruna noch etwas ab, der Wind wurde stärker und ging bis auf 35 Knoten, also Sturmstärke(!), hoch und die Wellen rollten mit 3 Meter Höhe von hinten auf uns zu und wenn sie direkt da waren, hoben sie uns an und tauchten unter uns durch. Wir waren fasziniert, wie spielerisch unser Schiff damit umgeht. Unser Vertrauen ist ständig gestiegen und hat dem Erstaunen über dieses Schauspiel Platz gemacht.

Hundemüde kamen wir dann in der vierten Nacht nach 390 Seemeilen (rd. 720 km) in der Marina Sada bei La Coruna an. Die nächsten Tage sind angefüllt mit kleinen Reparaturen, Wäsche waschen und natürlich La Coruna anschauen. Für den Mittwoch haben wir einen Ausflug nach Santiago de Compostela geplant. Der Leihwagen und das Hotel sind gebucht – doch davon später mehr. Nun viel Freude mit den Bildern!

11 Okt 2010

Bretagne und kein Ende

Geschrieben von florian

Ja, aus den paar Tagen sind jetzt schon zwei Wochen geworden, die wir hier verbringen und auf ein Wetterfenster warten, das eine mindestens 4-tägige Fahrt über die Biskaya nach Bayona in Nordspanien möglich macht. Aber wieder peitscht der scharfe Wind auf die gut vertäute Ooros ein und die Aussichten wechseln fast täglich. Berechenbares Wetter ist derzeit wo anders zu finden, hier jedenfalls nicht. Und die sehr gute Seite von www.Passageweather.com kann daran auch nichts ändern. Der Ruf der Biskaya ist ja auch bei gutem Wetter nicht der beste, bei schlechtem Wetter kann es sehr gefährlich werden, weil der nächste schützende Hafen leicht 100 und mehr Seemeilen entfernt sein kann.

Also gibt es drei Möglichkeiten: warten und wenn das Wetter passend ist, die ca. 480 sm nach Bayona segeln mit der Möglichkeit, bei Wetterverschlechterung La Coruna anzulaufen – das spart etwa einen Tag. Oder wir hangeln uns in kleinen Schlägen an der französischen Küste entlang, was die Strecke zu unserem Ziel in Nordspanien glatt verdoppelt.

Aber genug des Lamentierens, wir sind in bester Gesellschaft – vor uns und hinter uns liegen auch seit geraumer Zeit französische Yachten, die genau das selbe Ziel haben und nicht weiter kommen. Gemeinsam stimmen wir uns immer wieder ab und es werden fiktive Abreisetage ausgehandelt, nur um sie am nächsten Tag wieder umzuschmeißen. Das geht mit Händen und Füßen, da weder unser Französisch noch deren Englisch gut genug für eine Unterhaltung ist. Zumindest sind wir nicht die Einzigen, die möglichst keine Risiken eingehen wollen. Also warten wir halt weiter….

Aber es gibt auch genug am Schiff zu tun: So haben wir in den letzten Tagen die Dieselfilter gereinigt, den Motor überprüft, Proviant aufgefüllt, Luftfilter gereinigt und vieles mehr.

Ansonsten machen wir auch Wanderungen und besuchen Brest mit dem Bus. Brest hat nicht gewaltig viel zu bieten, aber es gibt zwei Einkaufsstraßen und das sehr gut gemachte Oceanopolis: ein großes Aquarium mit drei Schwerpunkten: Die Meeresbewohner in den Gewässern der Bretagne, des Polarmeeres und der Tropen. Alles großzügig und wir waren fast die einzigen Gäste und hatten Zeit, um alles in Ruhe zu betrachten.

Die Wanderungen auf alten  Wegen an der Küste entlang sind sehr abwechslungsreich, sie geben den Blick frei auf die sich ständig durch Ebbe und Flut verändernde zerklüftete Küstenlandschaft. Dazwischen die hübschen Natursteinhäuser in gepflegten Gärten.

Bei soviel Wandern und Gucken haben wir abends immer Hunger und können uns dann an den frischen Austern aus der Bucht laben. Besser gehts nimmer. Es heißt halt nicht umsonst: Leben wie Gott in Frankreich!

29 Sep 2010

Zurück in Frankreich

Geschrieben von eva

Jetzt hatten wir ja noch ein paar Tage Zeit, um die Insel Guernsey richtig kennenzulernen. Und es hat sich wirklich gelohnt: Kannten wir bisher nur die schroffe Seite der Insel, die ständig dem Wind ausgesetzt ist, so haben wir uns auch noch die liebliche Südseite erwandert. Hier ist alles viel grüner und üppiger und es gibt zahlreiche Wanderwege entlang der Hänge bis zu den vielen verträumten Buchten. Wir kamen uns abwechselnd vor wie in Südtirol auf einem Waalweg und in Madeira auf einer Levada, da ähnlich wie hier kleine Wege durch traumhafte Landschaften führen. Aber auch der schönste Aufenthalt hat mal ein Ende und so haben wir den richtigen Wind genutzt, um wieder an die französische Küste zu gelangen. Um endlich wieder mal ein größeres Stück voranzukommen, haben wir uns als Ziel l’Aberwrac’h ausgesucht, das ca. 100 Seemeilen (180 km) von Guernsey entfernt liegt. Dafür haben wir dann auch 28 Stunden gebraucht. Meine Seekrankheit bekomme ich auf so langen Strecken mit einem speziellen Pflaster in den Griff. Es ist aber nicht ganz frei von Nebenwirkungen, so dass ich es nur in ganz dringenden Fällen einsetze. Ich kann ja Florian nicht die ganze Nacht alleine segeln lassen! Diese Nacht war wieder ganz anders als die letzte durchgesegelte Nacht. Wir hatten kurz nach Vollmond und es war meistens leicht bewölkt, so dass es nie ganz dunkel wurde. Das ist zwar nicht so romantisch, macht die Nachtwache aber wesentlich angenehmer. Auch sonst war es recht ruhig, bis auf ein paar kleine Böen gab es keine Überraschungen, so dass wir einigermaßen erholt hier ankamen. L’Aberwrac’h liegt geschützt in einer Flussmündung. Allerdings ist der Ort so klein, dass man zum nächsten Supermarkt mit dem Bus in den nächsten, miminal größeren Ort fahren muss. Aber zumindest gibt es hier ein paar nette Restaurants, ist ja auch schon was, oder?

Hier werden wir wieder mal ein paar Tage verbringen, da der Wetterbericht nichts Gutes verheißt. Eigentlich sollte auch heute schon der Wind recht blasen, aber gerade scheint die Sonne und es weht bestenfalls ein leichtes Lüftchen. Aber vor uns liegt mit dem Ende des Ärmelkanals auch ein kleines Kap, das wir mit gutem Wetter umsegeln wollen. Wir bleiben nach wie vor vorsichtig, auch wenn wir dadurch nicht so schnell sind. Und wie heißt es so schön?: In der Ruhe liegt die Kraft!

21 Sep 2010

Kanalinseln

Geschrieben von eva

Nach knapp 2-wöchigem Aufenthalt in Cherbourg (wenn auch nicht ganz freiwillig) hat das Wetter bzw. der Wind endlich gepasst und wir haben uns auf den Weg zu den Kanalinseln gemacht. Ursprünglich hatten wir die Kanalinseln als Ziel ja ausgeschlossen, da wir eigentlich entlang der englischen Südküste den Ärmelkanal passieren wollten. Aber da jetzt irgendwie sowieso alles anders kommt als geplant, sind wir nun also auf den Kanalinseln gelandet. Mit der Überfahrt nach Alderney kam leider auch meine Seekrankheit wieder zum Vorschein. Na ja, wird sich schon irgendwann legen. Allerdings hatten wir auf dem Weg dorthin auch mit ein paar Schwierigkeiten zu kämpfen: Die Spule unseres Vorsegels, mit der wir es wieder einrollen wollten, hing fest. Erst hat Florian versucht, die Leine zu lösen, dann habe ich es probiert. Bei starkem Wellengang hing ich dann ganz vorne am Schiff (natürlich eingepickt), als eine Welle den Bug überspült hat und mich natürlich mit. Tja, auf so eine unfreiwillige Salzwasserdusche kann man getrost verzichten! Das hat dann zu meiner Stimmung nicht unbedingt positiv beigetragen und so hatte die Seekrankheit leichtes Spiel…. Aber die Ankunft in Alderney, unserem allerersten Kontakt mit England, hat uns dann beide mit der nicht so angenehmen Anfahrt versöhnt. Im Hafen konnte man nur an einer Muringboje liegen, was einen Landgang nicht so einfach macht, wenn man das Beiboot nicht unbedingt aufblasen will. Aber es gibt dort ein Hafentaxi, das man über Funk anruft und das uns an Land und später wieder an Bord brachte. Die Insel ist ziemlich klein und sehr friedlich. Wir haben uns erst einmal bei einer kleinen Wanderung die Füße vertreten.

Am nächsten Tag ging es dann in einem kleinen Schlag nach Guernsey, unserer nächsten Kanalinsel. Die Überfahrt war ruhig, was mir auch mein Magen dankte! Hier liegen wir nun in der Victoria Marina quasi mitten in der Stadt. Unser langsames Vorankommen hat auch einen großen Vorteil: Die Häfen sind jetzt meistens nur sehr spärlich besucht, was uns immer einen guten Platz beschert. Wir wollen uns gar nicht vorstellen, wie es hier im Hochsommer zugeht, denn auch Ausweichhäfen gibt es hier auf den Inseln kaum.

Guernsey ist eine der größeren Inseln hier, aber mit dem öffentlichen Bus in gut 45 Minuten zu umrunden. Wir fühlen uns hier recht wohl und haben unseren Plan, am Dienstag weiterzufahren, aufgegeben und bleiben noch ein paar Tage länger….. Na ja, es soll ja eh fast keinen Wind geben und bis zur französischen Küste nur unter Motor zu fahren, haben wir auch keine Lust. Es gibt auch viel anzusehen, so waren wir bereits im Sausmarez Manor, einem kleinen botanischen Garten mit Skulpturengarten (sh. Fotos). Leider gibt es hier auch noch die Überreste der deutschen Besatzung aus dem 2. Weltkrieg in Form von Wachtürmen aus Beton, die an der wunderschönen Küste stehen. Aber das gehört wohl auch zu unserer Geschichte. Wir genießen die Ausblicke in die Weite, die die Küste bietet, die vielen kleinen bunten Fischerboote, die bei Ebbe auf dem Trockenen liegen, das angenehme Klima und das Gefühl, willkommen zu sein, ebenso die vielen kleinen Wanderwege entlang der Küste, die uns mit den flechtenbewachsenen Felsen oft an die Wanderungen in unseren Bergen zurückdenken lassen….

14 Sep 2010

Zwischenmeldung

Geschrieben von eva

Meine Einladung, meinen 40. Geburtstag gemeinsam auf den Kanaren zu feiern, ist wohl leider etwas voreilig erfolgt. Wir hatten uns das ganze Unternehmen um einiges einfacher vorgestellt. Die Route mit dem Finger auf der Weltkarte oder dem Globus zu zeigen ist leichter, als sie dann auch “termingerecht” in die Tat umzusetzen. Dazu kommt noch das Wetter, das uns oft genug einen Strich durch die Rechnung macht. So sitzen wir hier in Cherbourg bereits die 2. Woche und hoffen, dass am Wochenende der Sturm nachlässt und der Wind aus der richtigen Richtung weht. Es ist halt doch etwas anderes, in einem Urlaub 2 Wochen auf einer gecharterten Yacht zu verbringen oder mit dem eigenen Schiff diese große Reise zu unternehmen. Man ist wesentlich vorsichtiger, da zuviel dranhängt, falls was schiefgehen sollte. Und so haben wir unseren Zeitplan nun über den Haufen geworfen – gefeiert bzw. überwintert wird dort, wohin wir in dieser Zeit gelangen. Besuch ist jederzeit willkommen!!!

8 Sep 2010

Paris und eine lange Überfahrt

Geschrieben von florian

Nach nur 2 Stunden im Zug waren wir also am Vormittag in Paris und es wollte erobert werden. Wir haben noch schnell unser kleines Gepäck im Hotel abgegeben, und schon ging es los mit der Metro. Die hier überwiegend den Straßen folgt, weil sonst durch die vielen Grundstücksenteignungen der Bau zu teuer geworden wäre. Der andere Teil der Metro in dieser 11 Mio. Einwohnerstadt nutzt die Katakomben.

Unser Schlachtplan sah vor, am Trocadero, der erhöht liegt, auszusteigen, um einen ersten Blick auf den Eiffelturm zu werfen. Der Tour Eiffel wurde für die Weltausstellung 1890 erbaut und ist noch immer ein Magnet in dieser Stadt, die auch noch so viel anderes zu bieten hat. So auch Sacre Cour, auf einem Hügel im Künstlerviertel gelegen, mit einem riesigen in Mosaik gestalteten Christus, der die Arme ausbreitet und uns in dieser faszinierend anstrengenden Stadt zur Ruhe zu mahnen scheint. Ruhig haben wir es dann in einem Café angehen lassen, in dem gerade Modeaufnahmen gemacht wurden.

Nach vielen weiteren Eindrücken ging es abends noch auf den Eiffelturm. Eine gute Idee, denn die Tagestouristen waren weg und wir konnten ohne Schlangestehen hinauffahren auf die letzte Plattform in 276 m Höhe und auf das nächtliche Paris hinabsehen. Beruhigend war zu hören, dass immer noch die alten Fahrstühle im Einsatz sind – nicht alles was fährt hält so lange! Von vier im offenen Doppeldeckerbus angebotenen Bustouren durch Paris haben wir am zweiten Tag, an dem wir eigentlich wieder zurückfahren wollten, nur zwei gemacht. Spontan entschlossen wir uns deshalb, noch eine Nacht dranzuhängen. Wir waren uns einig, dass man für diese faszinierende Stadt Wochen braucht und dann gibt es Orte wie den Jardin des Tuileries, einen großen Park, der sich zwischen dem Place de la Concorde und dem Palais de Louvre befindet, wo man einfach verweilen und die Seele baumeln lassen kann. Der Baumschnitt erfolgt dort übrigens für die kleinen runden Bäume mit Schablone, die immer wieder neu angelegt wird. Und der Heckenschnitt mittels Nivellierung durch einen Laser, den ein zweiter Gärtner positioniert.

Auf der Rückreise im Zug hatten wir noch ein sehr intensives Gespräch mit einem Landsmann, der in Paris an der Uni arbeitete und nun vor einer großen beruflichen Entscheidung steht. Ihm wünschen wir alles Gute für seinen Lebensweg.

Am nächsten Tag schon gingen wir wieder auf große Fahrt. Wobei das „groß“ schon wörtlich genommen werden kann! Denn wir sollten für die nächste Etappe – mit 115 sm die längste bisher – 25 Stunden brauchen. Nach einem schönen sonnigen Start kamen wir gut voran und verloren Dieppe, was übrigens vom englischen deep – tief kommt, aus den Augen. Ziel war ziemlich genau Kurs West nach Cherbourg. Dabei würden wir die Seine-Mündung bei Le Havre mit der großen Bucht weit im Süden lassen. Nach und nach waren alle Küsten verschwunden und wir waren allein unterwegs.

Als Abendessen kochte ich Linseneintopf von Vinzenzmurr aus München, der uns wohl tat bei hereinbrechender Nacht. Doch nicht nur die Nacht brach herein, auch Wellen und Boen peitschten immer stärker gegen uns an. Eva hielt die erste Nachtwache und wir wollten als Ziel 3 Stunden Wache gehen, aber ganz klar mit der Möglichkeit, die Wache zu verlängern oder zu verkürzen. So geschah es ausgerechnet bei Evas Wache gegen Mitternacht, dass sich ein kleines Containerschiff näherte, das zunächst in einem Halbkreis fuhr und dann plötzlich mit der Lichterkennung grün rot – also frontal – auf uns zuhielt und schon sehr nah war.

Vom Schrei der Wachhabenden aus dem Schlaf geschreckt, was jetzt zu tun sei, machte ich sofort den Deckstrahler ein, außerdem den aktiven Radarreflektor, der unser Schiff elektronisch auf 150 m Länge aufbläst und auch der Notblitz im Masttopp wurde sofort aktiviert – von soviel Präsenz erschüttert drehte der „Große Bruder“ prompt ab und war bald nicht mehr zu sehen. Ja, da waren wir wieder hell wach! Weiter klatschte immer mal wieder eine Welle gegen das Schiff, was sich dann anhörte als würde jemand voll mit der flachen Hand gegen den Rumpf schlagen. Doch es gibt auch Schönes auf so einer Nachtfahrt: der Sternenhimmel, der draußen auf dem Wasser ohne störendes Licht so reich funkelt wie sonst wohl nur ganz oben in den Bergen unserer bayerischen Heimat, und der Bug, der das Wasser teilt, wobei die davon auseinanderstiebenden Wellen glitzern, als würden sie den Sternenhimmel spiegeln. Dabei ist es Plankton – ganz kleine Garnelen, die durch die Bugwelle Lichtblitze aussenden und so eine blinkende Spur erzeugen.

Gegen Mittag haben wir dann bei herrlichem Wetter in Cherbourg festgemacht. Cherbourg ist voller Leben und direkt hinter dem Yachthafen machen die Kreuzfahrtschiffe und Fähren nach England und Irland fest. Jetzt genießen wir ein paar Tage der Erholung und fragen uns, wie lange man von Cherbourg aus wohl mit dem Zug nach Paris braucht…

30 Aug 2010

Zollkontrolle in Boulogne-sur-mer

Geschrieben von eva

Seit unserem letzten Eintrag ist wieder mal einiges passiert: die geplante Überfahrt von Dunkerque nach Dieppe mussten wir in Boulogne-sur-mer abbrechen. Der Wetterbericht war zwar eigentlich gut, aber wir hatten dann doch fast nur Wind gegenan, ebenso die Wellen und zu guter Letzt auch noch den Strom, so dass wir die meiste Zeit nur unter Motor gefahren sind. Na ja, aber auch der verleiht uns halt keine Flügel. Geplant war das Ganze als 24-Stunden-Törn, wir sind also am Vormittag los und wollten die Nacht durchsegeln. Leider ist mir am späten Nachmittag schon nicht mehr so wohl gewesen und etwas später war ich dann vollends seekrank. So ein Mist! Wir beschlossen also, Boulogne anzufahren, aber wegen der schlechten Bedingungen haben wir dann doch bis 3 Uhr morgens gebraucht. Florian hat sich total tapfer geschlagen, während ich in der Koje lag. Die nächtliche Einfahrt in einen fremden Hafen war sehr spannend und glücklicherweise auch sehr erfolgreich.

Tja, und am übernächsten Morgen kamen drei uniformierte Männer zum Nachbarschiff und verschwanden einige Zeit darin. Wir haben immer wieder aus dem Fenster geschaut und uns Gedanken darüber gemacht, was der Engländer neben uns wohl angestellt haben mag. Kurz darauf waren wir im Visier der drei Herren: Zollkontrolle! Das heißt Papiere herzeigen, freundlich lächeln, ja nicht schuldbewusst schauen und möglichst cool bleiben, wenn die überall rumschnurken. Aber eigentlich waren die ganz nett, haben natürlich nichts gefunden und uns erklärt, dass sie unser Schiff ausgesucht haben, weil es so anders aussieht wie die „Boote von der Stange“ und sie mal einen Blick nach innen werfen wollten. Der erste echte Nachteil unseres Schiffes 😉 Leider durften wir keine Fotos von den Herren machen. Sie haben Angst, erkannt zu werden….

Boulogne-sur-mer hört sich schöner an als es wirklich ist. Nur der Altstadtkern, der von einer alten Mauer umgeben ist, ist sehr romantisch. Hier gibt es auch eine große Kathedrale, laut Info in der Kirche der zweitgrößte Marien-Wallfahrtsort in Frankreich. Hier wurde im 7. Jh. eine Marienstatue in einem kleinen Boot angespült. Für einen Wallfahrtsort war dort aber erstaunlich wenig los. Die Kirche hat uns trotzdem sehr fasziniert – sie hat einen wunderschönen Altar aus Italien, der aus vielen verschiedenen Steinarten und Edelsteinen besteht.

Sobald uns das Wetter gut genug erschien, sind wir dann in Richtung Dieppe gestartet. Um 6.00 Uhr früh ging´s los, der Wind meinte es gut mit uns und auch die Wellen haben sich zurückgehalten. So habe auch ich die Passage sehr gut überstanden. Die Küste ist traumhaft schön mit den weißen Klippen, die sich kilometerweit entlangziehen. Man kann sich gar nicht sattsehen.

Wir sind froh, dass die Saison jetzt ziemlich am Ende ist und in den letzten Häfen immer ein guter Platz zu haben war. So auch hier in Dieppe, auch wenn es meistens schaukelt im Hafen. Aber daran sind wir ja schon gewöhnt….

Dieppe ist wirklich hübsch, wir liegen quasi direkt in der Altstadt. Davon sieht man vom Schiff aus vor allem bei Hochwasser viel. Hier an der Nordseeküste ist der Tidenhub ganz gewaltig – bei Flut schwimmt man wie in einer vollen Badewanne, bei Ebbe kann man nicht mehr richtig über den Rand schauen und man merkt den Wind nicht mehr so arg. Der Höhenunterschied beträgt bis zu 7 Meter!

Wir sind relativ nah an Paris, deshalb fahren wir kurzentschlossen morgen mit dem Zug in die französische Hauptstadt. Eine Übernachtung haben wir online gebucht und freuen uns schon auf eine Nacht ohne Schaukelei!

20 Aug 2010

Endlich in Frankreich – Normandie!

Geschrieben von eva

Juhu, wir haben wieder eine Etappe geschafft! Wir sind inzwischen in Dunkerque angelangt und warten – auf was wohl? – natürlich auf das ideale Wetter. Das gibt es aber irgendwie nur ganz selten, aber da wir noch keine alten Seebären sind, wollen wir halt auch kein Risiko eingehen. In den nächsten Tagen kommt zwar der Wind aus der falschen Richtung, aber Wellen und Wind sollen mäßig sein, so dass wir uns wieder raustrauen werden.Wir haben ein System an Bord, das uns die Wetterdaten des DWD direkt auf den Computer schickt. Leider sind die immer ein wenig pessimistisch, was die Voraussagen angeht. Oft schon hat sich eine Starkwindwarnung bald wieder relativiert und es kommt an dem Tag nur angenehmer Wind. Das allerdings macht auch unsere Planung schwierig, denn wir gehen vorsichtshalber immer nach dem schlechtesten Wetterbericht (sh. Thema „alte Seebären“ oben!). Und so sitzen wir halt immer wieder im Café, während sich draußen doch nichts zusammenbraut. Na ja…….

In Dunkerque hatten wir aber auch noch mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen: Ich habe mir beim abendlichen Gummibärliessen eine Füllung samt halbem Zahn ausgebissen. Das war für Florian die beste Gelegenheit, unser emergency-kit von unserem Zahnarzt auszuprobieren! Er hat mir eine provisorische Füllung gemacht, die der Zahnarzt später auch gelobt hat. Glücklicherweise hatte ich keine Schmerzen, so konnte ich auf die Spritze gut verzichten… Beim hiesigen Zahnarzt habe ich erst 2 Tage später einen Termin bekommen – Mann, war ich froh, dass der Englisch konnte! Unser Französisch hält sich noch sehr in Grenzen und für den Besuch beim Zahnarzt habe ich mir nur ein paar wenige Sätze eingeprägt. Das Problem dabei ist dann nur, dass ich die Antwort nicht verstehe. Wird schon noch werden. Auf alle Fälle ist mein Zahn wieder heil!

Wir hatten hier auch alle Hände voll zu tun, denn wir hatten Sturm im Hafen, bis Windstärke 8! Da fühlt man sich an Bord, wie wenn man draußen auf See ist – es schaukelt und bläst, dass einem ganz anders werden könnte. Aber wir haben die OOROS gut vertäut und alle unsere Fender sind zum Einsatz gekommen. 2 Tage hat dieses Spektakel gedauert, dann ist es ruhiger geworden. Inzwischen scheint wieder die Sonne!

Dunkerque ist ein ganz netter Ort, wenn man weiß, wo man hingehen muss. Anfangs waren wir einigermaßen enttäuscht, aber jetzt wissen wir, wo die schönen Ecken sind und fühlen uns schon recht wohl. Und trotzdem segeln wir weiter!

10 Aug 2010

Holland ade!

Geschrieben von florian

Endlich haben wir die Niederlande verlassen und sind nach einem 12-stündigen Schlag in Zeebrugge/Belgien angekommen.

Doch der Reihe nach! Am Sonntag vor einer Woche sind wir einige Stunden motort, um durch den Nordseekanal die Schleusen in Ilmuijden und damit nach Monaten in Binnengewässern wieder die Nordsee zu erreichen. Bereits am nächsten Tag ging es die 25 sm bis nach Scheveningen. Schon vom Wasser aus ist die Skyline von Den Haag zu sehen und Scheveningen ist nur der Hafen davon. In Den Haag befindet sich nicht nur der Friedenspalast (internationaler Gerichtshof) – hier wurden zuletzt nahmhaften Kriegsverbrechern der Prozeß gemacht. Auch ist Den Haag Regierungssitz von Königin Beatrix. Doch wie es scheint war sie in Urlaub, denn die Flagge auf dem Dach ihres Stadtpalastes war nicht aufgezogen und so war unsere Hoffnung auf eine kurzfristige Audienz zunichte gemacht. Wir hatten gehofft als längste Langzeiturlauber in den Niederlanden geehrt zu werden. Gingen wir halt statt dessen in das Mauritshus Museum und bewunderten „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ von Vermeer. Nun warteten wir für den nächsten Törn wirklich gute Bedingungen ab. Denn unser Ziel war Zeebrugge in Belgien. Sehr früh ging es los, wir hatten tollen  Wind der uns geschoben hat und die meiste Zeit auch noch den Strom der uns gezogen hat. Und so sind wir mit zwischen 6 und 7 Knoten Fahrt nach 12 Stunden und 73 sm (131 km) abends in Zeebrugge angekommen. Unterwegs wurde uns nicht langweilig, denn bereits 2 Stunden nach dem Losfahren haben wir das Fahrwasser für Europort gequert. Sicher der am meisten frequentierte Hafen in der Nordsee. Weiter dann an verschiedenen Untiefen und Bänken vorbei am Schelde Delta. Hier wollen wir uns nochmal bei der Crew der Allegria bedanken für die schönen Abende und den Alten Genever, wir wollten schon immer mal mit einem Oberstaatsanwalt per „Du“ sein. Euch eine gute Fahrt!

Doch jetzt kein Ausruhen, gleich am anderen Tag wollten wir nach Brügge. Manchmal ist es am besten ohne Erwartungen an einen neuen Ort zu kommen. Mein Gott was für eine schöne Stadt. Mein Bauchgefühl sagt: Das Sienna von Belgien! Und es gibt auch einen Bezug zu Sienna, denn in der Liebfrauenkirche gibt es eine Marmorplastik von Michelangelo zu bewundern: „Madonna mit dem Kind“, das ursprünglich für den Altar im Dom von Sienna gedacht war. Es stelllt alle sonstigen Figuren darum in den Hintergrund. Auch von den Kanälen aus hat man schöne Eindrücke von dieser mittelalterlich anmutenden Stadt. Jetzt warten wir wieder auf besseres Wetter, denn Regen und Starkwind prägen heute den Tag – tja und gestern war noch Sommer! Unser nächstes Ziel wird Frankreich sein und damit der Eingang in den Englischen Kanal!

31 Jul 2010

Amsterdam II

Geschrieben von eva

Erst einmal ein großes Danke an alle Mail- und SMS-Schreiber! Auch wenn wir nicht immer gleich antworten, so freuen wir uns immer sehr darüber, etwas aus der Heimat zu lesen.

Jetzt aber zu dem, was hinter uns liegt und vor uns wartet: Die noch nicht fertigen Reparaturen in Medemblik haben uns noch ein paar Hafentage beschert, die wir u.a. zu einem Ausflug mit der historischen Eisenbahn nach Hoorn genutzt haben. Die Lok sowie die Waggons sind alle über 100 Jahre alt, der Zug zuckelt recht langsam durch die Landschaft, die Schaffner sind entsprechend gekleidet und Gepäckträger laden an verschiedenen Stationen alte Koffer ein und aus. Eine schöne kleine Zeitreise!

Am 25. Juli haben wir es dann endlich gepackt und sind wieder losgefahren. Bis Amsterdam haben wir dann immer nur an Ankerplätzen übernachtet, wenn auch nicht immer ganz geplant: Vor Uitdam wollten wir in einen kleinen Vluchthaven (kein Schreibfehler, das ist holländisch). Wir dachten eigentlich, dass wir zwischen den beiden Pollern durchpassen – das war leider ein Irrtum, wir sind steckengeblieben! Unter Aufbietung aller Kräfte und unter Anfeuerung der Umherstehenden haben wir es dann geschafft, uns von den Pollern abzustoßen, denn auch „volle Kraft zurück“ war keine Hilfe. Wir haben dann in der anderen Ecke des kleinen Hafens den Anker geworfen und herrlich geschlafen.

Doch um auch hier frisches Brot zu haben, habe ich mein erstes „Schiffsbrot“ gebacken – mit großem Erfolg!

Mit der Ruhe, die wir von den Ankerplätzen kannten, war es dann vorbei, als wir Richtung Nordseekanal segelten. Die Oranjesluizen, die das Marker-bzw. Ijsselmeer vom Nordseekanal trennt, waren gut besucht und wir haben uns den Platz in der Schleuse mit mehreren anderen Seglern geteilt.

Der Sixhafen mitten in Amsterdam ist ziemlich klein und wir hatten großes Glück, dass wir noch einen schönen Platz ergattert haben. Das wurde uns aber erst später so richtig klar, als bis zum Abend der ganze Hafen voll war. In wirklich jede Lücke wird noch ein Schiff geparkt und man sieht das Wasser gar nicht mehr. So was haben wir noch nie erlebt!

Wir haben unsere Klappräder ausgepackt und los ging´s in die Stadt. Die Radwege sind bestens und in Holland haben Radfahrer irgendwie sowieso meistens Vorfahrt. Entsprechend geht es auch zu und wir haben uns dem Stil schon ganz gut angepasst. Florian hat in Amsterdam schon voll den Durchblick und braust mit dem kleinen Klapprad überall hin, ich fahre nur staunend hinterher und wäre ohne Stadtplan völlig aufgeschmissen! Im Reichsmuseum standen wir dann vor den Werken von Rembrandt, Vermeer, Miro und vielen anderen, im Van-Gogh-Museum dann vor – wie soll es anders sein? – Van-Gogh-Werken. Echt beeindruckend!

Morgen geht es dann weiter in Richung Ijmuiden – unserem Tor zur Nordsee. Raus aus dem behüteten Ijsselmeer in das große Meer – bisher ein komisches Gefühl, aber die erste Etappe steht schon fest und das macht die ganze Sache dann schon übersichtlicher!

Wir haben mal eine kleine Hochrechnung gemacht: Wenn wir so wie bisher weiterfahren, brauchen wir 20 Jahre, um unser Ziel zu erreichen! Das hieße dann aber auch, dass wir erst in ein paar Jahren auf den Kanaren landen. Dorthin wollen wir aber auf alle Fälle noch in diesem Jahr – wobei wir mit zeitlichen Vorhersagen schon wesentlich vorsichtiger geworden sind…..

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